Die deutsche Sängerin Jeanette Biedermann erwartet ihr erstes Kind. "Heute" hat berichtet. Für die 46-Jährige erfüllt sich damit ein langgehegter Wunsch: Schon 2003 hatte sie öffentlich erklärt, dass sie "gern Mama werden" möchte. Mehr als 20 Jahre später ist es nun endlich so weit.
Medizinisch gilt Biedermann damit als sogenannte Spätgebärende. Von einer Risikoschwangerschaft sprechen Ärzte in der Regel, wenn eine Frau über 35 Jahre alt ist. Mit zunehmendem Alter können bestimmte Risiken sowohl für die Mutter als auch für das ungeborene Kind steigen. Dazu zählen etwa eine höhere Wahrscheinlichkeit für Fehlgeburten sowie Komplikationen wie Schwangerschaftsdiabetes oder Bluthochdruck.
Auch für das Baby nimmt mit dem Alter der Mutter das Risiko für Chromosomenstörungen zu, etwa für Trisomie 13, 18 oder 21. Studien zeigen deutliche Unterschiede: Während das Risiko für ein Kind mit Trisomie 21 bei 20-jährigen Frauen bei etwa 1 zu 1466 liegt, steigt es bei 35-Jährigen auf etwa 1 zu 343. Bei einer 40-jährigen Mutter beträgt es laut Untersuchungen etwa 1 zu 85.
Von einer Trisomie spricht man, wenn ein Chromosom drei- statt zweimal vorkommt.
# Trisomie 13 wird durch ein zusätzliches Chromosom 13 ausgelöst. Die Chromosomstörung tritt bei etwa zwei von 10'000 Schwangerschaften auf und führt zu schwerer geistiger Beeinträchtigung und körperlichen Anomalien.
# Bei Trisomie 18 kommt Chromosom 18 dreimal vor. Das kommt bei vier von 10.000 Schwangerschaften vor. Geistige Beeinträchtigung und körperliche Anomalien sind die Folge. Häufig sind Klump- und Sichelfüsse.
# Trisomie 21 ist eine Anomalie des Chromosoms 21, das geistige Beeinträchtigung, Mikrozephalie, Kleinwuchs und charakteristisches Aussehen verursachen kann.
Eine Risikoschwangerschaft bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Komplikationen auftreten. Sie wird lediglich medizinisch intensiver betreut, um mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen.
Sogar äußere Einflüsse können eine Rolle spielen. Eine Studie aus dem Jahr 2023 deutet darauf hin, dass Hitzewellen das Risiko für Fehlgeburten erhöhen können.
Biologisch gesehen liegt die fruchtbarste Phase von Frauen zwischen 20 und 25 Jahren. Danach nimmt die Fruchtbarkeit zunächst langsam ab – ab etwa 30 Jahren schneller und ab 35 deutlich stärker. Grund dafür sind vor allem die abnehmende Zahl und Qualität der Eizellen.
Trotzdem halten Experten es heute für überholt, Schwangerschaften über 35 pauschal als besonders riskant einzustufen. Christian Haslinger, leitender Arzt an der Klinik für Geburtshilfe des Universitätsspitals Zürich, verweist darauf, dass immer mehr Frauen später Kinder bekommen.
Wie eine Schwangerschaft über 35 verläuft, hänge stark von der individuellen Situation ab, betont Haslinger. "Es macht einen Unterschied, ob eine Frau 36 oder 46 Jahre alt ist und ob Vorerkrankungen vorliegen." Grundsätzlich hätten viele Frauen auch in diesem Alter gute Chancen auf eine gesunde Schwangerschaft und Geburt, wenn sie insgesamt gesund sind.
Auch das Alter des Mannes kann eine Rolle spielen. Zwar können Männer ihr Leben lang Spermien produzieren, doch auch hier steigt mit zunehmendem Alter das Risiko für genetische Veränderungen. Deshalb dürfen Samenspender in vielen Ländern höchstens 40 Jahre alt sein. Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen höherem Vateralter und Erkrankungen beim Kind ist bislang jedoch nicht eindeutig belegt.