140.000 Embryonen analysiert

Durchbruch! Forscher finden Ursache für Fehlgeburten

Eine große Analyse zeigt, wie bestimmte Gene der Mutter die Chromosomenverteilung beeinflussen – mit Folgen für die Überlebensfähigkeit von Embryonen.
Heute Life
26.01.2026, 14:20
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Fehlgeburten sind beim Menschen häufig. Etwa 15 % aller festgestellten Schwangerschaften enden mit einer Fehlgeburt, und viele weitere gehen in einem frühen Stadium verloren, ohne dass die Betroffenen es bemerken. Wissenschaftler wissen seit Langem, dass die Hauptursache zusätzliche oder fehlende Chromosomen sind.

Der Mensch besitzt in seinen Körperzellen in der Regel 46 Chromosomen, die als 23 Paare angeordnet sind. Sind es weniger als 46, sind Embryonen in den meisten Fällen nicht lebensfähig. Liegen hingegen zusätzliche Chromosomen vor, gibt es einige Konstellationen, die überlebbar sind. Dazu zählen etwa das Down-Syndrom (Trisomie 21), das Klinefelter-Syndrom mit einem zusätzlichen X-Chromosom bei Männern sowie das Turner-Syndrom, bei dem Frauen nur ein X-Chromosom besitzen.

Die meisten Chromosomenfehler entstehen in der Eizelle und treten mit zunehmendem Alter der Mutter häufiger auf. Rätselhafter ist jedoch, wie Faktoren neben dem Alter, z.B. genetische Unterschiede, eine Person überhaupt erst dazu veranlassen können, Eizellen mit abnormaler Chromosomenzahl zu produzieren. Jetzt haben Forscher eine Ursache im Erbgut der Mutter entdeckt, die sie anfälliger für Fehlgeburten macht.

Aneuploidien

Laut der neuen Studie der Johns Hopkins University gelten sogenannte Aneuploidien als häufigste Ursache für Fehlgeburten. Dabei handelt es sich um chromosomale Abweichungen, bei denen Zellen eine zu hohe oder zu niedrige Anzahl an Chromosomen aufweisen.

Bisher ging man davon aus, dass diese Fehler mehrheitlich erst in der reifen Eizelle entstehen und mit zunehmendem Alter der Mutter häufiger auftreten. Neue Hinweise deuten jedoch darauf hin, dass das Risiko bereits viel früher erhöht sein kann – nämlich schon während der Entstehung der Eizellen.

Für die aktuelle Untersuchung analysierten Forscher rund 140.000 Embryonen, die im Rahmen künstlicher Befruchtungen entstanden waren. Dabei identifizierten sie mehr als 92.000 chromosomale Auffälligkeiten. Diese große Datenmenge ermöglichte es erstmals, klare Zusammenhänge zwischen bestimmten mütterlichen genetischen Faktoren und der Wahrscheinlichkeit zu erkennen, dass nicht lebensfähige Embryonen entstehen, erklärt Studienautor Rajiv McCoy.

Gen SMC1B

Besonders deutlich zeigt sich der Zusammenhang bei jenen Genen, die bereits während der Entstehung der Eizellen für den Aufbau und die Stabilität der Chromosomen verantwortlich sind. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Gen SMC1B. Bestimmte Varianten dieses Gens führen dazu, dass das gleichnamige Protein in geringerer Menge produziert wird als üblich.

Das Protein SMC1B ist Bestandteil eines ringförmigen Proteinkomplexes, der die Chromosomen umschließt und wesentlich zur Ausbildung ihrer dreidimensionalen Struktur beiträgt. Wie wichtig diese Funktion ist, zeigen Tierversuche: Mäuse ohne das Gen SMC1B sind nicht fortpflanzungsfähig. Beim Menschen kann eine verminderte Produktion des Proteins dazu führen, dass sich Aneuploidien, also abweichende Chromosomenzahlen, entwickeln. Weitere Analysen deuten zudem darauf hin, dass auch andere Gene an der Entstehung solcher Chromosomenveränderungen beteiligt sein können.

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