Viele Menschen kennen diesen ganz bestimmten Geruch aus der Kindheit – etwa aus der Wohnung der Großeltern. Für manche ist er mit Geborgenheit und vertrauten Erinnerungen verbunden, andere empfinden ihn als leicht muffig oder dumpf. Lange galt dieser sogenannte "Alte-Leute"-Geruch als bloße Einbildung. Tatsächlich steckt dahinter jedoch ein messbares, biologisches Phänomen, das mit natürlichen Veränderungen der Haut im Laufe des Lebens zusammenhängt.
Hinter dem typischen Geruch steckt eine chemische Verbindung namens 2-Nonenal: Diese entsteht, wenn sich bestimmte Fettsäuren auf der Haut durch Oxidation zersetzen. 2-Nonenal wird oft als grasig, fettig oder leicht ranzig beschrieben. Interessant: Der Stoff kommt auch in Gurken oder Kartoffeln vor und spielt sogar im Aroma gereiften Bieres eine Rolle.
"Mit zunehmendem Alter passieren in unserer Haut mehrere Dinge gleichzeitig", erklärt Sonal Choudhary, Dermatologin, gegenüber dem Onlinemagazin "HuffPost". "Die Abwehrmechanismen der Haut lassen nach und die Zusammensetzung des Talgs verändert sich."
Doch ab wann riechen wir eigentlich "alt"? Laut den Hautärztinnen können Veränderungen in der Haut diesen Duft schon ab etwa 40 Jahren auslösen. Mit jedem weiteren Jahr steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Geruch stärker wird. Wie intensiv er ist, ist von Mensch zu Mensch verschieden und hängt "von Genetik, Hauttyp, Lebensstil und Umwelteinflüssen" ab, so Choudhary.
Kurz gesagt: Ja. "Die Datenlage deutet darauf hin, dass die Produktion von 2-Nonenal ein weitverbreitetes altersbedingtes Phänomen ist", erläutert Naana Boakye, Hautärztin, im "HuffPost"-Interview. "Studien weisen diesen grasig-fettigen Geruch bei älteren Erwachsenen beider Geschlechter regelmäßig nach. Auch wenn die Mengen individuell unterschiedlich sind, gibt es keine Hinweise darauf, dass nur bestimmte Menschen ihn produzieren", so Boakye.
Interessant ist, dass wir den eigenen Duft meist gar nicht bewusst wahrnehmen. Und auch andere empfinden ihn unterschiedlich: "Menschen übertreiben oft und stellen diesen Geruch als unangenehm dar", meint Delphine J. Lee, Chefdermatologin am Harbor-UCLA Medical Center, gegenüber dem Onlinemagazin. "Dabei kann er sogar neutraler oder angenehmer sein als die Körpergerüche von jüngeren oder mittelalten Menschen."
Der Mief sitzt direkt auf der Haut – aber lässt er sich wie Schweiß einfach abwaschen? Leider nein. Die Zusammensetzung von 2-Nonenal haftet stärker an Haut und Kleidung als Schweiß. Und weil unser Körper sie ständig neu bildet, hilft auch gründliches Waschen kaum.
Kaum Forschung zu Gegenmitteln
Zwar gibt es mehrere Studien zur Entstehung von 2-Nonenal im menschlichen Körper, doch zur Frage, wie sich der Geruch gezielt reduzieren lässt, ist die Datenlage dünn. Einzelne Untersuchungen haben etwa geprüft, ob bestimmte Pflanzenstoffe – zum Beispiel aus Auberginen – Einfluss auf 2-Nonenal haben könnten. Auch eine ältere Studie deutete auf mögliche Effekte von Champignon-Pulver hin. Allerdings fehlen bislang größere, unabhängige Folgestudien, die diese Ergebnisse eindeutig bestätigen.
Wichtig ist: Niemand muss sich für diesen Geruch schämen oder andere dafür verurteilen. Es hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun, sondern ist "eine normale biochemische Veränderung der alternden Haut – ähnlich wie Falten oder Trockenheit", betont Choudhary.
"Mit guter Hautpflege, antioxidativer Unterstützung und der richtigen Wäschepflege lässt sich der Geruch oft deutlich reduzieren. Wir als Gesellschaft könnten aber auch einfach lernen, ihn als etwas Normales zu akzeptieren – und vielleicht sogar zu mögen", sagt die Hautärztin schließlich.