Die Erde heizt sich nicht nur auf - sie reagiert auch immer schneller auf die Veränderungen. Klimaforscher sehen im Zusammenspiel der Pazifik-Phänomene El Niño und La Niña einen Schlüssel dafür, warum die globalen Temperaturen seit 2023 sprunghaft gestiegen sind.
Eine neue Studie in "Nature Geoscience" zeigt: Rund drei Viertel des jüngsten zusätzlichen Wärmeschubs gehen auf die langfristige, menschengemachte Erwärmung in Kombination mit dem Wechsel von einer ungewöhnlich langen La-Niña-Phase zu einem El-Niño-Ereignis zurück.
Zur Erinnerung: El Niño (dt. der Bub) bezeichnet eine natürliche Erwärmung im Pazifik, die das Wetter weltweit verändert. La Niña (das Mädchen) ist das kühlere Gegenstück. Beide Phasen verschieben Niederschlags- und Temperaturmuster rund um den Globus.
Von 2020 bis 2023 erlebte die Erde eine seltene dreifache La Niña ohne El Niño dazwischen. Dabei bleibt warmes Wasser in den Tiefen gespeichert, während die Oberfläche kühler ist. Dies führt dazu, dass weniger Energie ins Weltall entweicht - und mehr Wärme im System bleibt.
Dabei baute sich ein starkes Energie-Ungleichgewicht auf, wie Studienmitautorin Yu Kosaka von der Universität Tokio erklärt. Als dann der Übergang zu El Niño erfolgte, entlud sich die gespeicherte Wärme.
Die Wetter-Wechselspiele können drastische Erscheinungsformen annehmen: "Wenn der Übergang von La Niña zu El Niño kommt, ist es, als ob der Deckel hochfliegt", erklärt Meteorologe Tom Di Liberto. Dann entweicht die angestaute Hitze - und die Temperaturen schnellen nach oben.
Gleichzeitig mussten Experten ihre offiziellen Definitionen überarbeiten. Die US-Behörde NOAA änderte nun ihre Berechnung, ab wann ein El Niño oder eine La Niña vorliegt. Künftig werden voraussichtlich mehr Ereignisse als La Niña und weniger als El Niño eingestuft. Hintergrund: Die Meere sind inzwischen so stark erwärmt, dass die bisherigen Vergleichswerte nicht mehr passen.
Seit Anfang 2023 liegen die globalen Durchschnittstemperaturen deutlich über dem bisherigen Erwärmungstrend. Neben Treibhausgasen spielen auch Faktoren wie weniger Luftverschmutzung durch Schiffe, ein Untersee-Vulkanausbruch und stärkere Sonnenaktivität eine Rolle.
US-Klimaforscherin Jennifer Francis warnt: Sollte sich im heurigen Spätsommer oder Herbst erneut ein El Niño entwickeln, könnte 2027 ein neuer globaler Temperaturrekord folgen. Das alte "Normal" sei längst Geschichte.