Wir kennen das surrende Geräusch nur allzu gut: Kaum wird es warm, schwirrt sie durchs Schlafzimmer. Doch unsere klassische Hausgelse bekommt zunehmend Probleme. Schuld sind die immer stärkeren Temperaturschwankungen im Winter - sowie ein Eindringling aus Asien.
Ab rund 15 Grad Außentemperatur erwacht die Gemeine Hausgelse aus ihrer Winterruhe. Überwintert wird dabei als ausgewachsenes Tier - oft in Kellern oder sogar direkt in Wohnungen. Doch genau das wird ihr nun zum Verhängnis.
"Die Gelsen haben ein Problem damit, wenn sich kalte und warme Perioden abwechseln", erklärt Parasitologe Hans-Peter Führer von der VetMed Wien zum ORF. Werden die Insekten durch milde Phasen zu früh aktiv und geraten dann in den Frost, erfriert ein Teil der Population - ähnlich wie Obstblüten bei einem Kälteeinbruch.
In den vergangenen zehn bis 15 Jahren habe das Monitoring bereits eine merkliche Abnahme der Hausgelsen in Österreich gezeigt, so der Insekten-Experte.
Gleichzeitig breitet sich eine deutlich widerstandsfähigere Art aus: die Asiatische Tigermücke. Sie überwintert nicht als fertiges Insekt, sondern als Ei. Das macht sie anpassungsfähiger gegenüber Wetterkapriolen und Erderwärmung.
Zwar können auch bei ihr Frostschäden auftreten, wenn Larven zu früh schlüpfen - insgesamt kommt die Tigermücke aber besser mit den Klimaveränderungen zurecht. Etablierte Populationen treiben bereits in Wien, Graz und Linz ihr Unwesen.
Besonders brisant: Schon im Larvenstadium liefern sich die beiden Arten Kämpfe. In Regentonnen oder kleinen Wasseransammlungen fressen Stechmückenlarven teils andere Larven. Die Tigermücke gilt dabei als aggressiver und dürfte sich durchsetzen.
Langfristig rechnet der Experte damit, dass die Hausgelse in den kommenden 20 Jahren deutlich zurückgedrängt wird. Aussterben werde sie aber nicht - vielmehr könnte die Tigermücke schlicht die Oberhand gewinnen.
Die Asiatische Tigermücke stammt ursprünglich aus den Tropen. Sie kann Krankheiten wie Dengue-Fieber, Zika-Virus oder Chikungunya übertragen. Bisher ist in Österreich allerdings noch kein solcher Fall bekannt.
Während Hausgelsen ab etwa 15 Grad aktiv werden und ihre Hochphase von Mitte Juni bis September haben, schlüpfen Tigermücken-Larven schon ab rund zwölf Grad. Besonders wohl fühlen sie sich bei 25 bis 30 Grad - erst bei noch höheren Temperaturen wird ihre Entwicklung gebremst.