Sardinien war einst eine Hochburg des Bergbaus. Mehr als zweitausend Jahre lang wurden hier Bodenschätze aus dem Boden geholt. Schon Phönizier und Römer gruben nach wertvollen Metallen, später auch Engländer und Franzosen. Gefördert wurden Blei und Zink, Kohle und Anthrazit, Gold und Silber, Eisen, Fluorit und vieles mehr.
Heute richtet sich der Blick auf andere Schätze: Seltene Erden und andere kritische Rohstoffe. Sie sind unverzichtbar für Batterien, Handys, Windräder und moderne Rüstungstechnik. Derzeit stammen rund 97 Prozent der Seltenen Erden in der EU aus China, diese Abhängigkeit sorgt in Brüssel und Rom für Nervosität.
Auf Sardinien schlummern große Chancen. Vor allem im Süden der Insel enthalten alte Minenhalden sogenannte Sekundärrohstoffe. In diesen Rückständen stecken wertvolle Metalle, die man mit moderner Technik zurückgewinnen könnte. Neben Seltenen Erden wurden auch Kobalt, Nickel, Fluorit, Baryt, Antimon, Silber, Wolfram und Indium identifiziert.
Ein konkretes Projekt läuft bereits im Gebiet von Silius im Süden der Insel. Dort nimmt das Unternehmen Mineraria Gerrei die Fluorit-Produktion in der 2006 geschlossenen Mine wieder auf - bis Ende 2026 soll die Förderung schrittweise hochgefahren werden. Geplant sind rund 70.000 Tonnen Fluorit pro Jahr. Der Rohstoff wird unter anderem für Batterien und Hightech-Materialien benötigt.
Für die Politik ist das ein strategischer Schritt Richtung Unabhängigkeit. Für viele Bewohner der Insel hingegen weckt es alte Ängste: Jahrzehntelang litt Sardinien unter Umweltproblemen und wirtschaftlicher Abhängigkeit vom Bergbau. Jetzt stellt sich die Frage: Bringt die neue Rohstoff-Offensive Jobs und Wohlstand - oder kehrt der Raubbau zurück?
Fakt ist: Unter der italienischen Trauminsel liegt also ein Schatz, der Europas Zukunft sichern könnte - wenn er verantwortungsvoll gehoben wird.