"Rätselhafte Strukturen"

"Kochendes Eis" – Sensationsfund in Grönlands Gletscher

Aktuelle Radarmessungen zeigen: Tief im grönländischen Eisschild bewegen sich gewaltige Eismassen "wie in einem kochenden Topf mit Nudeln".
Bernd Watzka
25.02.2026, 07:30
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Grönlands Eisschild wirkt von außen wie ein starrer, eiskalter Koloss. Doch tief im Inneren "brodelt" es offenbar gewaltig. Neue Messdaten zeigen Strukturen, die das klassische Bild eines unbeweglichen Eispanzers ins Wanken bringen.

Eisschichten durcheinandergebracht

Flugzeug-gestützte Radarsysteme blicken seit Jahren tief in das Innere des Eisschildes. Normalerweise erscheinen dort gleichmäßige, glatte Schichten - vergleichbar mit den Jahresringen eines Baumes. Doch an manchen Stellen sind diese Schichten massiv gestört.

Seltsame Vorgänge im Eis

Forscher entdeckten riesige, wolkenartige Faltungen, sogenannte Plumes. Lange war unklar, wie diese "rätselhaften Strukturen" entstehen. Eine im Fachjournal "The Cryosphere" veröffentlichte Studie rund um den britischen Glaziologen Robert Law liefert nun eine Erklärung:

Es geht um thermische Konvektion im festen Eis - also langsame, zirkulierende Bewegungen innerhalb eines eigentlich festen Eiskörpers, ausgelöst durch Temperaturunterschiede im Inneren.

Verblüffend und faszinierend

"Wir betrachten Eis normalerweise als festes Material", sagt Andreas Born vom Bjerknes-Zentrum für Klimaforschung in Bergen. "Dass Teile des grönländischen Eisschildes tatsächlich thermische Konvektion durchlaufen - ähnlich wie ein kochender Topf mit Nudeln - ist ebenso verblüffend wie faszinierend."

Eis wie "zähe Flüssigkeit"

Was heißt das konkret? Über menschliche Zeiträume wirkt Eis starr. Doch über viele Jahrtausende verhält es sich wie eine extrem zähe Flüssigkeit. Ist das Eis in der Tiefe durch geothermische Wärme etwas wärmer als die darüberliegenden Schichten, dehnt es sich minimal aus. Dadurch sinkt seine Dichte.

Schon winzige Unterschiede reichen aus, damit wärmeres Eis langsam aufsteigt und kälteres absinkt. Diese kaum wahrnehmbaren Bewegungen verformen die Schichten im Inneren - und erzeugen die gigantischen Plumes.

Schwellenwerte bis Eis "kocht"

Mithilfe des Geodynamik-Modells "Aspect" simulierte das Forschungsteam die Voraussetzungen für diese Konvektionsmuster. Dabei identifizierten sie mehrere strikte Schwellenwerte, die erfüllt sein müssen, damit das Eis tatsächlich "zu kochen" beginnt.

Fakt ist: Grönlands Eisschild ist kein stiller Riese - sondern ein langsamer, gewaltiger Bewegungskörper, der tief im Inneren mehr Dynamik zeigt, als man ihm zutraut.

{title && {title} } bw, {title && {title} } Akt. 25.02.2026, 09:50, 25.02.2026, 07:30
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