Die Sommer werden nicht nur wärmer - sie werden extremer. Und zwar massiv. Ein Forscherteam rund um den renommierten Grazer Klimawissenschafter Gottfried Kirchengast hat eine neue Mess-Methode entwickelt, mit der sich Extremereignisse deutlich präziser berechnen lassen. Das Ergebnis für Österreich ist alarmierend.
"Wir fanden heraus, dass sich die Gesamt-Extremität der Hitze in Österreich und den meisten Regionen Zentral- und Südeuropas im Zeitraum 2010 bis 2024 im Vergleich zu 1961 bis 1990 um rund das Zehnfache verstärkt hat", sagt Kirchengast vom Wegener Center und Institut für Physik der Uni Graz.
Als extrem gelten hierzulande Temperaturen über 30 Grad. In Südspanien liegt der Schwellenwert bei 35 Grad, in Finnland bei 25 Grad. Entscheidend ist aber nicht nur die Temperatur selbst: Die neue Methode berücksichtigt gleichzeitig Häufigkeit, Dauer, Intensität und räumliche Ausdehnung.
Die neue Studie, veröffentlicht im Fachjournal "Weather and Climate Extremes", sei universell einsetzbar - für Hitzewellen ebenso wie für Hochwasser oder Dürren. "Unsere neue Methode eignet sich für alle Gefahrenmaße, die durch die Überschreitung kritischer Schwellenwerte definiert sind", erklärt der Klimaforscher.
Brisantes Detail der neuen Studie: Das Verfahren lässt sich auch nutzen, um Verantwortung zuzuordnen. Es könne berechnen, in welchem Ausmaß Staaten oder Unternehmen zu steigenden Klimaschäden beitragen. Das könnte bei künftigen Klima-Klagen eine Rolle spielen, so die Forscher.
Für Kirchengast ist vor allem die Eindeutigkeit der Ergebnisse bemerkenswert: "Diese massive Verstärkung reicht weit über die natürliche Variabilität hinaus und zeigt den Einfluss des menschengemachten Klimawandels in einer Eindeutigkeit, wie ich sie selbst bisher noch nicht gesehen habe."
Fakt ist: Heiß war es "früher" auch - aber nicht annähernd so extrem. Die Zahlen aus Graz lassen wenig Spielraum für Zweifel.