Millionen Asteroiden ziehen durchs All, viele kreuzen dabei die Umlaufbahn der Erde. Meist verglühen kleine Brocken harmlos als Sternschnuppen. Doch die Geschichte zeigt: Es kann auch anders kommen. Jetzt testet ein deutsch-österreichisches Start-up, wie sich riesige Asteroiden im Ernstfall mit einer Atombombe ablenken lassen könnten - ganz wie im Hollywood-Film "Armageddon" (1998).
Einschläge von Himmelskörpern mit verheerenden Folgen sind selten, aber real. 1908 verwüstete das Tunguska-Ereignis weite Teile Sibiriens. 2013 explodierte ein Asteroid über Tscheljabinsk, Tausende Menschen wurden verletzt. Und vor rund 66 Millionen Jahren löste ein gewaltiger Einschlag das Aussterben der Dinosaurier aus.
Genau auf ein solches Extremszenario will die "Outer Solar System Company" (OuSoCo) vorbereitet sein. Das deutsch-österreichische Start-up arbeitet gemeinsam mit internationalen Partnern an Modellen für eine nukleare Ablenkungsmission. Ziel ist es, einen bedrohlichen Himmelskörper rechtzeitig von seinem Kurs abzubringen - ohne ihn in noch gefährlichere Trümmer zu zerreißen.
"Die planetare Verteidigung stellt eine wissenschaftliche Herausforderung dar", sagt Mitgründer Karl-Georg Schlesinger. Real testen könne man eine solche Mission nicht, daher brauche es präzise physikalische Daten und ein tiefes Verständnis der Materialeigenschaften von Asteroiden, wie eine aktuelle Studie ergab.
Um Daten für eine potenzielle atomare Asteroiden-Abwehr zu gewinnen, führte das Team 2024 und 2025 Experimente am CERN in Genf durch. Untersucht wurde eine Probe des eisen- und nickelreichen Campo-del-Cielo-Meteoriten. Sie wurde 27 extrem intensiven Protonen-Impulsen ausgesetzt, um die Bedingungen einer Nuklear-Explosion zu simulieren.
Die Beobachtung überraschte selbst die Forscher: Zunächst wurde das Material weicher und verformte sich. Dann gewann es wieder an Festigkeit - ohne zu brechen. Metallreiche Asteroiden könnten unter extremer Energieeinwirkung also robuster reagieren als bisher angenommen.
Nach dem Strahlenversuch wird die Probe nun weiter analysiert, unter anderem im britischen "Rutherford Appleton Laboratory". Dort sollen mikroskopische Veränderungen im Inneren sichtbar gemacht werden.
Die nächsten Schritte sind bereits geplant. Künftig wollen die Forscher auch komplexere, felsige Asteroidenmaterialien untersuchen. Das könnte nicht nur die Modelle für eine mögliche Abwehrmission verbessern, sondern auch neue Erkenntnisse über die Entstehung unseres Sonnensystems liefern.
Fakt ist: Noch ist das "Atomprogramm" gegen Asteroiden reine Vorsorge. Doch falls eines Tages ein Monster-Himmelskörper Kurs auf die Erde nimmt, könnte genau dieses Wissen über unsere Zukunft entscheiden.