"Sag mir, wo die Wolken sind" heißt es in Abwandlung der Antikriegs-Hymne "Sag mir, wo die Blumen sind" (1955). Die Frage ist berechtigt, denn eine neue Studie aus Spanien zeigt: Unser Kontinent bekommt seit Jahrzehnten immer mehr Sonnenstrahlung ab. Verantwortlich dafür sind vorwiegend weniger Wolken - aber auch sauberere Luft spielt eine Rolle.
Forscher der Universität Málaga, der Universität Murcia und des Solarunternehmens Solargis haben Daten aus den Jahren 1994 bis 2023 analysiert. Das Ergebnis: Die Sonneneinstrahlung auf Europas Oberfläche ist pro Jahrzehnt um 2,4 Watt pro Quadratmeter gestiegen. Insgesamt sind das rund 4,8 Prozent mehr Sonne.
Besonders stark fällt der "Besonnungs-Anstieg" in Mittel- und Westeuropa aus. Nordostfrankreich, die Benelux-Staaten und Westdeutschland verzeichneten Zuwächse von fast elf Prozent. In den vergangenen 20 Jahren beschleunigte sich dieser Trend sogar noch einmal deutlich.
Doch woher kommt das Plus an Sonne? Laut Studie gehen rund 80 Prozent des Anstiegs auf Veränderungen bei Wolken zurück. Sie sind weniger dicht oder seltener geworden, wodurch mehr Licht bis zum Boden durchdringt. Die restlichen 20 Prozent hängen mit einer geringeren Belastung durch Aerosole zusammen - also winzige Partikel in der Luft.
Diese Partikel streuen und absorbieren Sonnenlicht. Nimmt ihre Konzentration ab, erreicht mehr Strahlung die Erdoberfläche. Gleichzeitig beeinflussen Aerosole auch die Wolkenbildung.
Die Untersuchung zählt laut den Autoren zu den umfassendsten Analysen zur Sonneneinstrahlung in Europa. Neben Messdaten flossen auch 30 Klimamodelle und verschiedene Zukunftsszenarien bis 2054 ein. Denn die globale Erwärmung spielt natürlich eine große Rolle. Steigende Temperaturen verändern die Wolkenbildung weiter - und verstärken so den Effekt.