Die Nord- und Ostsee steigen - langsam, aber stetig. Mehr als vier Millimeter pro Jahr wächst der Meeresspiegel bereits. Bis zum Jahr 2100 rechnen Experten im ungünstigsten Fall mit rund einem Meter Anstieg. Für Millionen Menschen an der deutschen Küste ist das keine ferne Theorie, sondern eine konkrete Bedrohung.
Die Antwort der Küstenländer ist klar: höhere und breitere Deiche. 56 Prozent der Küstenregionen setzen laut Umfrage in erster Linie auf den Ausbau der Schutzanlagen. Allein Schleswig-Holstein will jedes Jahr rund vier Kilometer seiner Landesschutzdeiche verstärken. Ein Kilometer kostet im Schnitt fünf Millionen Euro - finanziert von Land, Bund und EU.
Die neuen sogenannten "Klimadeiche" sind nicht nur höher, sondern auch flacher und deutlich breiter. Das Idealmodell misst rund 130 Meter Breite bei acht bis neun Metern Höhe. So sollen sie selbst extremen Sturmfluten standhalten - auch wenn das Meer um einen Meter steigt. Küstenforscher sprechen von einem "Generationen-Auftrag".
Ohne Deiche wären viele Gebiete zweimal täglich vom normalen Tide-Hochwasser betroffen. Eine schwere Sturmflut wie 1962, bei der mehr als 300 Menschen starben, würde heute dank massiver Investitionen deutlich weniger Schaden anrichten. Doch was passiert, wenn künftige Fluten nochmals höher auflaufen?
Forscher haben Szenarien berechnet, bei denen eine Sturmflut um 1,1 Meter höher ausfällt als 1962 - ermöglicht durch den steigenden Meeresspiegel und veränderte Windmuster. In solchen Fällen geraten selbst heutige Schutzsysteme an ihre Grenzen.
Doch es gibt auch Zweifel, ob immer höhere Deiche die alleinige Lösung sind. Salzwiesen etwa bremsen Wellen ab und binden pro Quadratmeter mehr CO2 als ein Wald. Bei einem Deichbruch könnten sie also Schäden mindern. Auch Sperrwerke und Schutzmauern spielen eine Rolle.
Hinzu kommt: Küstenschutzanlagen sind meist nur für rund 100 Jahre ausgelegt. Was nach 2100 geschieht, ist mit großen Unsicherheiten verbunden.