Die Erderwärmung lässt sich nicht nur in Grad messen, sondern auch in Kilometern. Ein unsichtbarer Punkt auf der Weltkarte zeigt, wohin sich das globale Pflanzenwachstum verschiebt - und dieser Punkt wandert seit Jahrzehnten.
Deutsche Biodiversitätsforscher haben diesen sogenannten grünen Schwerpunkt jetzt erstmals genau berechnet. Veröffentlicht wurde die Studie im Fachjournal PNAS.
Mithilfe von Satellitendaten seit den frühen 1980er-Jahren analysierte das Leipziger Forschungsteam Blattflächen, Vegetationsindizes und die Photosynthese-Leistung weltweit. So konnten die Wissenschafter bestimmen, wo auf der Erde sich die meiste pflanzliche Aktivität konzentriert.
Die Vegetation der Erde folgt einer rhythmischen, saisonalen "grünen Welle". Diese Welle verschiebt sich laut der neuen Studie, mit schnelleren Veränderungen während der Sommer der Südhalbkugel und einer allgemeinen Bewegung nach Nordosten. Ursachen: Landnutzung und Klimawandel.
Im Laufe eines Jahres bewegt sich dieser Schwerpunkt wie eine Welle zwischen Nord und Süd. Mitte Juli liegt er am nördlichsten Punkt im Nordatlantik nahe Island. Im März erreicht er seinen südlichsten Stand vor der Küste Liberias - und das immer noch auf der Nordhalbkugel. Danach wandert er wieder Richtung Norden.
Langfristig zeigt sich ein klarer Trend. Seit 1983 verschiebt sich der Schwerpunkt im Nordsommer im Schnitt um etwa zwei Kilometer pro Jahr nach Norden. Im Südsommer sind es rund 2,4 Kilometer jährlich.
Besonders deutlich war die Veränderung zwischen 2010 und 2020. In diesem Zeitraum beschleunigte sich die Nordverschiebung im Südsommer zeitweise auf bis zu 14 Kilometer pro Jahr. Die Forscher halten fest: Die grüne Welle verschiebt sich - und zwar stärker als erwartet. Entgegen früheren Annahmen wandert der Schwerpunkt in beiden Sommerperioden (Nord- und Südhalbkugel) weiter nach Norden.
Fakt ist: Die Welt wird nicht nur wärmer - sie wird auch grüner an neuen Orten. Und das lässt sich inzwischen exakt vermessen.