Heulsusen aufgepasst!

Tränen statt Tabu – warum Weinen dem Körper guttut

Viele schämen sich für ihre Tränen. Doch Weinen ist kein Zeichen von Schwäche: Es kann Stress abbauen und sogar das Nervensystem beruhigen.
Heute Life
03.03.2026, 15:19
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Ein trauriger Film, eine rührende Nachricht oder purer Stress – und schon steigen die Tränen auf: Manche Menschen kämpfen gegen sie an, andere lassen sie einfach laufen. Noch immer hält sich hartnäckig die Vorstellung, häufiges Weinen sei ein Zeichen von Schwäche, doch die Wissenschaft zeichnet ein anderes Bild. Wer viel weint, ist nicht instabil, sondern oft besonders gut mit seinen Gefühlen verbunden.

Warum wir überhaupt weinen

Weinen ist weit mehr als nur eine Reaktion auf Traurigkeit. Laut Psychologinnen erfüllt es eine wichtige Funktion: Es hilft, starke Emotionen zu verarbeiten und auszudrücken. Tatsächlich ist das sogenannte "emotionale Weinen" etwas zutiefst Menschliches – diese Art von Tränen gibt es im Tierreich nicht: Gefühle auf diese Weise zu zeigen, gehört zu dem, was uns als Menschen ausmacht.

Viele kennen das befreiende Gefühl nach einem intensiven Weinen. Genau darin liegt einer der größten Vorteile: "Weinen, besonders wenn man allein ist, kann eine Art Selbsttherapie sein", verrät Christina Pierpaoli Parker, Psychologin, im Gespräch mit "Self". Es zwinge dazu, sich mit dem auseinanderzusetzen, was gerade schmerzt und das könne am Ende entlasten.

Ventil für Körper & Nervensystem

Starke Emotionen, egal ob positiv oder negativ, setzen den Körper unter Spannung: Das Nervensystem geht in Alarmbereitschaft und Tränen wirken dabei wie ein Überdruckventil. "Tränen lindern den psychischen Druck, der sich in unserem sympathischen Nervensystem angesammelt hat", erklärt Parker.

Studien zeigen, dass kurz vor dem Weinen die sogenannte "Fight-or-Flight"-Reaktion ihren Höhepunkt erreicht: Sobald die Tränen fließen, kann die Entspannungsreaktion einsetzen. Außerdem werden beim Weinen Endorphine und Oxytocin ausgeschüttet – Botenstoffe, die Schmerzen lindern und ein Gefühl von Nähe und Sicherheit erzeugen.

Tränen verbinden

Weinen ist nicht nur ein innerer Prozess, sondern auch ein soziales Signal: "Wir weinen, um unsere Bedürfnisse und Werte anderen mitzuteilen", erklärt die Psychologin. Wer weint, zeigt Verletzlichkeit – und das schafft Nähe. "Man bekommt möglicherweise mehr Unterstützung, weil andere erkennen, dass es einem wirklich schlecht geht", erläutert Psychologin Lauren Bylsma gegenüber "Self".

Wie oft jemand weint, ist sehr unterschiedlich: Erziehung, Kultur, Persönlichkeit und sogar Biologie spielen eine Rolle. "Es gibt eine enorme Bandbreite darin, wie viel Menschen weinen – und all das ist normal", so Bylsma.

Häufiges Weinen kann sogar ein Zeichen von Sensibilität, Empathie und emotionaler Ausdrucksfähigkeit sein: Wer auch bei positiven Gefühlen wie Freude oder Ehrfurcht Tränen bekommt, zeigt laut Expertinnen eine besondere emotionale Tiefe. "Es ist ein Zeichen emotionaler Hygiene und psychologischer Reife, wenn man die Bedeutung von Dingen angemessen wahrnimmt", meint Parker.

Unterdrückte Gefühle hingegen können langfristig belasten. Wer ständig gegen Tränen ankämpft, verarbeitet Emotionen oft weniger hilfreich.

Deshalb kommen dir im Schlaf die Tränen

Gibt es ein "zu viel"?

"Es gibt keinen Schwellenwert, bei dem ich mir Sorgen machen würde, dass jemand zu viel weint", erklärt Bylsma. Problematisch wird es erst, wenn das Weinen das tägliche Leben stark beeinträchtigt – etwa Arbeit, Beziehungen oder die eigene Stimmung dauerhaft belastet. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, genauer hinzuschauen und professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 03.03.2026, 15:19
Weitere Storys
Jetzt E-Paper lesen