Eine gute Mundhygiene steht in Zusammenhang mit einem geringeren Risiko für eine Reihe an Erkrankungen, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz, und rheumatoide Arthritis. Während in der westlichen Welt empfohlen wird, 2-mal täglich 3 Minuten lang die Zähne zu putzen und zusätzlich Zahnseide zu verwenden, sieht die Zahnpflege auf der anderen Seite des Globus etwas anders aus.
In Südkorea wurde in den 1980er Jahren von der Korean Dental Association die "3-3-3-Regel" propagiert, d. h. dreimal täglich Zähneputzen, drei Minuten nach dem Essen für eine Dauer von drei Minuten.
Die Kampagne fand großen Anklang. Laut dem Korean Herald ist das Zähneputzen mitten am Tag so verbreitet, dass es "zahnputzfreundliche" U-Bahn-Stationen, Cafés und Einkaufszentren gibt. Einige Autobahnraststätten verfügen über Zahnbürstenautomaten, während es in einigen Kaufhäuser-Toiletten integrierte Mundspülspender gibt. Im Jahr 2016 richteten mehr als 100 Grund-, Mittel- und Oberschulen in Seoul spezielle Zahnputzstationen ein.
Lohnen sich diese zusätzlichen Mundhygienemaßnahmen? Vielleicht. Eine Studie aus dem Jahr 2017 ergab, dass diejenigen, die sich nach dem Mittagessen die Zähne putzten, ein geringeres Risiko für Zahnfleischerkrankungen hatten als diejenigen, die dies nicht taten.
"Obwohl diese Methode Vorteile hat, bin ich nicht ganz davon überzeugt", sagt Dr. Daniel Naysan, Zahnarzt, Inhaber und Gründer der Bedford Dental Group in Beverly Hills, gegenüber der "New York Post".
"In gewisser Weise macht die koreanische Kultur die Mundhygiene zu einer täglichen Gewohnheit, reduziert die Plaque-Belastung und fördert gründliches Zähneputzen, aber der genaue Zeitpunkt ist nicht unbedingt ideal." Er weist darauf hin, dass Zähneputzen unmittelbar nach dem Essen schädlich sein kann, da saure Lebensmittel und Getränke wie Zitrusfrüchte, Limonade oder Wein die Zahnschmelzoberfläche kurzzeitig aufweichen. Wer direkt im Anschluss zur Zahnbürste greift, kann seinem Zahnschmelz schaden. Deshalb sollte man nach dem Essen 30 bis 60 Minuten warten.
Obwohl Mundhygiene sehr wichtig ist, seien dreimal täglich nicht besser als zweimal, so der US-Zahnarzt. Drei Minuten empfiehlt er bei starken Zahnbelägen, beim Tragen einer Zahnspange und/oder wenn ein hohes Risiko für Karies oder Zahnfleischerkrankungen besteht.
Ebenso sind drei Minuten Zähneputzen möglicherweise nicht besser als zwei Minuten. "Zwei Minuten sind völlig ausreichend, wenn man richtig putzt. Drei Minuten sind nicht schädlich, aber auch nicht automatisch besser".
Langes, aggressives Putzen mit harten Borstenbürsten kann mit der Zeit den Zahnschmelz abnutzen – ein Zustand, der als Zahnbürstenabrieb bezeichnet wird – wodurch die Zähne brauner, dünner und spröder erscheinen, insbesondere am Zahnfleischrand. Schlimmer noch, übermäßig aggressives Zähneputzen kann das Zahnfleisch so stark reizen, dass es sich von den Zähnen zurückzieht.
Naysan empfiehlt eine elektrische Zahnbürste, Zahnseide und zweimal jährlich eine professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt.