Österreich konsumiert zu viel Zucker – und ein großer Teil davon wird getrunken. Laut aktuellen, von der Konsumentenschutzorganisation foodwatch ausgewerteten Euromonitor-Daten nehmen Menschen hierzulande täglich fast 23 Gramm Zucker allein über Softdrinks zu sich. Damit liegt Österreich unter den zehn bevölkerungsreichsten westeuropäischen Ländern auf Platz zwei – nur Deutschland weist noch höhere Werte auf.
Zum Vergleich: Über Süßigkeiten werden im Schnitt rund 15 Gramm Zucker pro Tag aufgenommen – also deutlich weniger als über Limonaden, Cola und andere gesüßte Getränke. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, höchstens 25 Gramm Zucker täglich zu konsumieren. Dieser Wert wird in Österreich allein durch Softdrinks nahezu ausgeschöpft. Für Kinder zwischen vier und sieben Jahren liegt die empfohlene Obergrenze sogar bei nur 19 Gramm pro Tag.
Besonders stark gestiegen ist der Konsum von Energydrinks. Hier liegt Österreich mit 4,16 Gramm Zucker pro Kopf und Tag ebenfalls auf Platz zwei in Westeuropa. 2011 lag der Wert noch bei 2,71 Gramm – ein deutlicher Anstieg innerhalb weniger Jahre. Länder wie Italien oder Spanien kommen auf weniger als ein Gramm täglich.
Zuckerhaltige Getränke gelten als wichtiger Risikofaktor für Übergewicht und Typ-2-Diabetes. In Österreich sind bereits 3,7 Millionen Erwachsene übergewichtig, zudem bringt jedes dritte Volksschulkind zu viele Kilos auf die Waage. Flüssiger Zucker liefert viele Kalorien, sorgt jedoch kaum für Sättigung – vor allem Kinder und Jugendliche konsumieren große Mengen oft unbewusst.
Mehr als 100 Länder weltweit haben inzwischen eine Steuer auf stark zuckerhaltige Getränke eingeführt. foodwatch fordert daher auch für Österreich eine sogenannte "Kracherl-Steuer" sowie ein Verkaufsverbot von Energydrinks an Minderjährige. Hersteller müssten stärker in die Pflicht genommen werden, zuckerärmere Alternativen anzubieten.
"Die Zahlen sind ein Weckruf. Es kann nicht sein, dass sich eine ganze Generation mit Zucker krank trinkt. Die Bundesregierung muss endlich handeln", sagt Miriam Maurer von foodwatch Österreich.