Östrogen im Verdacht

Darum trifft Reizdarm Frauen besonders hart

Neue Studien zeigen: Östrogene könnten eine Schlüsselrolle bei der Entstehung und Behandlung des Reizdarmsyndroms spielen.
Heute Life
18.02.2026, 21:48
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Reizdarm ist für viele Betroffene mehr als nur ein "bisschen Bauchweh". Blähungen, Krämpfe, Durchfall oder Verstopfung – oft im Wechsel – können den Alltag massiv beeinträchtigen und werden trotzdem lange nicht ernst genommen. Untersuchungsergebnisse sehen unauffällig aus, während die Beschwerden bleiben. Genau das macht das Reizdarmsyndrom so belastend – körperlich wie psychisch. Schätzungen zufolge ist es eine der häufigsten Magen-Darm-Erkrankungen, doch viele wissen nicht, was dahintersteckt und welche Auslöser eine Rolle spielen können. Eine neue Studie könnte erklären, warum Frauen viel häufiger betroffen sind als Männer.

Ein Forschungsteam rund um Holly Ingraham und David Julius (Universität San Francisco), der im Jahr 2021 den Medizin-Nobelpreis für seine Schmerzforschung bekommen hat, konnte jetzt belegen, dass es einen Zusammenhang zwischen Östrogen und dem Reizdarmsyndrom gibt. Das wurde bei mehreren Experimenten mit Mäusen festgestellt. Dabei wurde den Tieren Luft in den Enddarm eingeleitet, um Schmerzen auszulösen. Weibliche Mäuse waren dabei deutlich empfindlicher als männliche. Wurden den weiblichen Tieren die Eierstöcke entfernt, verschwanden die Beschwerden. Bei den männlichen Mäusen stieg die Empfindlichkeit, wenn sie Östrogen ausgesetzt wurden.

Das Reizdarmsyndrom ist eine funktionelle Erkrankung, die oft vorkommt. Die Beschwerden betreffen vor allem den Dünn- und Dickdarm. Es kommt zu Bauchschmerzen, Blähungen und Veränderungen beim Stuhlgang. Auffällig dabei: Es lassen sich keine organischen Veränderungen oder biochemischen Auffälligkeiten im Darm feststellen.

Östrogen im Fokus

Schon in einer früheren Studie hat das Forschungsteam entdeckt, dass sogenannte enterochromaffine Zellen (EC) im Dickdarm eine Rolle bei der Entstehung der Schmerzen spielen. Die Weiterleitung an die Nerven passiert über den Botenstoff Serotonin. Die Schmerzreaktion konnte durch Isovalerat, eine kurzkettige Fettsäure, ausgelöst werden. Diese wird von Darmbakterien gebildet, so die deutsche Ärztezeitung.

Im Rahmen der aktuellen Untersuchungen suchten die Forscher nach Östrogen-Rezeptoren in der Darmschleimhaut. Gefunden haben sie diese nicht auf den EC-Zellen, sondern auf benachbarten L-Zellen. Die L-Zellen produzieren kein Serotonin, sondern Hormone, die den Appetit regulieren, darunter das Neuropeptid YY (PYY). Nach der Injektion von Östrogenen bei Mäusen ohne Eierstöcke kam es zu einem Anstieg der PYY-Werte im Blut. Die Wissenschafter vermuten, dass das einen evolutionären Vorteil hat: Die in der Schwangerschaft vermehrt gebildeten Östrogene könnten verhindern, dass Frauen durch verdorbene Nahrung die Gesundheit ihres ungeborenen Kindes gefährden.

Die Erkenntnisse könnten auch neue Ansätze für die Behandlung des Reizdarmsyndroms bringen. Möglich wären spezielle Diäten, bei denen auf Nahrungsmittel verzichtet wird, die im Darm leicht vergoren werden, wie zum Beispiel Zwiebel, Knoblauch, Honig, Weizen oder Bohnen. Auch Medikamente, die Serotonin-Rezeptoren im Darm oder den Rezeptor für PYY blockieren, könnten helfen.

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