Blähungen sind ein Thema, über das kaum jemand gern spricht – obwohl fast jeder sie kennt. Ein unangenehmes Druckgefühl im Bauch, plötzliches Rumoren oder vermehrte Luft im Darm gehören zu den häufigsten Verdauungsbeschwerden überhaupt. Meist sind sie harmlos und entstehen durch Ernährung, Stress oder eine empfindliche Darmflora. Doch wenn der Bauch regelmäßig spannt oder Schmerzen dazukommen, kann mehr dahinterstecken – von Nahrungsmittelunverträglichkeiten bis hin zu Reizdarm.
Für Dinge wie Herzfrequenz, Cholesterin und Blutzucker gibt es Referenzwerte, aber Wissenschaftler konnten bisher keinen Referenzwert für Flatulenzen finden. Bisherige Versuche, einen Durchschnittswert zu ermitteln, beruhten typischerweise darauf, dass Personen über ihre eigenen Blähungen im Laufe des Tages berichteten. Allerdings haben Menschen ein unzuverlässiges Gedächtnis und können nicht mitverfolgen, was im Schlaf geschieht. Erschwerend kommt hinzu, dass jemand mehr Blähungen produzieren kann, ohne es zu bemerken.
Bei den meisten Menschen bestehen Darmgase hauptsächlich aus Wasserstoff, Kohlendioxid und Stickstoff. Bei manchen Menschen enthalten sie auch Methan. Da Wasserstoff ausschließlich von Darmbakterien produziert wird, ermöglicht die kontinuierliche Messung des Wasserstoffgehalts in den Darmgasen eine direkte Bestimmung, wann und wie aktiv die Darmflora Nahrungsbestandteile fermentiert.
Also haben Wissenschaftler um Brantley Hall, Assistenzprofessor am Institut für Zellbiologie und Molekulargenetik der Universität Maryland (USA) "intelligente Unterwäsche" – ein münzgroßes Gerät, das diskret an jeder Unterwäsche befestigt wird und mithilfe elektrochemischer Sensoren die Darmgasproduktion rund um die Uhr misst.
Laut einer ersten Studie lassen Menschen doppelt so oft Blähungen, wie Wissenschaftler bisher annahmen. Der Durchschnittsmensch lässt 32 Mal am Tag Winde ab, im Vergleich zu den 14 Mal, die Ärzte früher als normal ansahen.
Die Forscher stellten jedoch auch erhebliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Enden des Blähungsspektrums fest. Die individuellen Unterschiede waren extrem: Die tägliche Anzahl der Darmgase reichte von nur vier bis zu 59.
Dies hat es Forschern ermöglicht, erstmals genaue Echtzeitmessungen darüber durchzuführen, wie viele Blähungen Menschen tatsächlich produzieren. In der Testphase gaben über 80 Prozent der Teilnehmer an, dass das Gerät angenehm zu tragen sei und sie es gern tragen würden, wenn ihnen ein Arzt dies empfahl. Dr. Hall sagt: "Objektive Messungen ermöglichen uns, die wissenschaftliche Strenge in einem Bereich zu erhöhen, der bisher schwer zu untersuchen war."