Die Grippe ist für viele einfach eine lästige Erkrankung. Doch nicht alle kommen so glimpflich davon. Besonders gefährlich wird es, wenn das Virus das Herz erreicht und dort Zellen zerstört. Was dabei genau im Körper passiert, war lange ein Rätsel. Wissenschafter um Filip K. Swirkski von der Icahn School of Medicine in New York haben nun neue Erkenntnisse präsentiert.
Das Forschungsteam hat die Autopsieberichte von 35 Menschen ausgewertet, die an der Grippe verstorben sind. Dabei zeigte sich: Über 85 Prozent der Betroffenen hatten bereits eine Herz-Kreislauf-Erkrankung wie Bluthochdruck. Die meisten litten zusätzlich an weiteren Problemen, etwa an einer Verkalkung der Arterien (Atherosklerose) oder an Narben im Herzmuskel (Herzfibrose). Laut den Forschern zeigt das klar, dass das Risiko, an Influenza zu sterben, direkt mit dem Zustand des Herzens zusammenhängt.
Die Wissenschafter sind noch auf eine andere Spur gestoßen: Während einer Grippeinfektion werden in der Lunge sogenannte pro-dendritische Zellen 3 – eine besondere Art von Immunzellen – vom Virus befallen und wandern dann zum Herzen. Dort setzen sie große Mengen vom Entzündungsprotein Typ-1-Interferon (IFN-1) frei. Eigentlich sollte dieses Protein das Virus bekämpfen. Doch stattdessen sorgt es dafür, dass Herzmuskelzellen absterben und das Herz schwächer arbeitet. "Wir haben herausgefunden, dass die Pro-Dendritische Zelle 3 während einer Influenza-Infektion als 'Trojanisches Pferd' des Immunsystems fungiert", erklärt Studienautor Jeffrey Downey.
Noch ist die Forschung nicht am Ziel. Die neuen Erkenntnisse machen aber Hoffnung. Das Team konnte im Labor an Mäusen zeigen: "Durch die Injektion eines neuartigen mod-RNA-Therapeutikums kann das Ausmaß der Herzschäden reduziert und die Herzfunktion verbessert werden." Bislang gibt es aber noch keine klinischen Möglichkeiten, solche Schäden beim Menschen zu verhindern. Die Forscher arbeiten daran, das neue Mittel weiterzuentwickeln und mehr über die pro-dendritische Zelle 3 herauszufinden.