Manche springen morgens mühelos aus dem Bett, andere kämpfen bis zur letzten Minute mit dem "Snooze"-Knopf. Was lange als reine Typfrage galt, könnte ernste Folgen haben: Laut einer aktuellen Studie haben Frühaufsteher nicht nur strukturiertere Tage, sondern auch ein gesünderes Herz. Wer dagegen regelmäßig spät schlafen geht, lebt offenbar riskanter. Besonders betroffen: Frauen.
Untersucht wurden die Daten von über 320.000 gesunden Erwachsenen im Alter zwischen 39 und 74 Jahren. Die Informationen stammen aus der UK Biobank, einer der größten Gesundheitsdatenbanken weltweit. Das Forscherteam rund um Sina Kianersi vom Brigham and Women’s Hospital und der Harvard Medical School analysierte, ob jemand eher Frühaufsteher, Nachteule oder ein sogenannter mittlerer Schlaftyp ist.
Anhand der acht zentralen Kriterien der American Heart Association – darunter Bewegung, Schlaf, Ernährung, Blutdruck und Cholesterin – erhielt jede Person einen Herzgesundheitswert zwischen null und 100 Punkten.
Die Auswertung zeigt deutliche Unterschiede: Rund 24 Prozent der Teilnehmer waren klare Frühaufsteher, etwa acht Prozent bekannte Nachteulen. Der Großteil (58 Prozent) lag dazwischen. Über einen Zeitraum von rund 14 Jahren hatten Nachteulen ein um 16 Prozent höheres Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, als Menschen mit mittlerem Schlafrhythmus.
Besonders alarmierend: Frauen, die spät schlafen gehen, waren laut Studie noch stärker betroffen als Männer.
"Es ist nicht nur der Chronotyp an sich", erklärt Studienleiter Kianersi gegenüber "NBC News". Vielmehr gehe es um die Lebensweise, die oft mit einem späten Rhythmus einhergeht. Auch Schlafexpertin Kristen Knutson von der Northwestern University verrät im Interview mit "Science Alert": Ein Nachtmensch versuche, "in der Welt eines Frühaufstehers zu leben". Das führe zu chronischem Schlafmangel, Stress und ungesunden Gewohnheiten.
Abendmenschen neigen laut den Forschern häufiger zu unregelmäßigem Schlaf, schlechterer Ernährung, Rauchen oder weniger Bewegung – alles Faktoren, die das Herz belasten. Ähnliche Ergebnisse lieferte bereits eine Studie aus Finnland im Jahr 2023.
Die gute Nachricht: Niemand ist seinem Schlaftyp ausgeliefert. "Nachteulen sind nicht dem Untergang geweiht", betont Kianersi im "NBC News"-Interview. Entscheidend sei, den eigenen Lebensstil bewusst anzupassen und die innere Uhr besser mit dem Alltag zu synchronisieren.
Die American Heart Association empfiehlt dafür acht zentrale Stellschrauben: regelmäßige Bewegung, kein Tabak, ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung sowie die Kontrolle von Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker und Körpergewicht.