Der Cholesterinspiegel ist für viele ein abstrakter Laborwert – dabei sagt er viel über unsere Herz-Kreislauf-Gesundheit aus. Zu hohe Werte bleiben oft lange unbemerkt, erhöhen aber das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich. Die Ernährung hat einen großen Einfluss auf den Cholesterinspiegel – und damit direkt auf die Gesundheit von Herz und Gefäßen. Was wir täglich essen, kann die Cholesterinwerte sowohl positiv als auch negativ verändern.
Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass ein günstiges Grundnahrungsmittel fürs Frühstück den Cholesterinspiegel in nur zwei Tagen deutlich senken kann. Besser noch: Die positiven Auswirkungen hielten auch sechs Wochen später noch an – selbst nachdem die Teilnehmer wieder zu ihrer üblichen westlichen Ernährung zurückgekehrt waren.
Cholesterin ist für die Hormonproduktion, die Zellbildung und andere lebenswichtige Körperfunktionen unerlässlich – aber zu viel "schlechtes" LDL-Cholesterin kann gefährlich sein, da es sich im Blutkreislauf ansammelt und wachsartige Ablagerungen an den Arterienwänden bildet. Mit der Zeit verhärten sich diese Ablagerungen zu Plaques, die den Blutfluss verengen, wodurch das Herz stärker arbeiten muss und die Organe weniger Sauerstoff erhalten. Wenn eine Plaque reißt, kann dies zu einem Blutgerinnsel führen, das eine Arterie verstopft und möglicherweise einen Herzinfarkt oder Schlaganfall verursacht.
Für die Studie rekrutierten Forscher der Universität Bonn in Deutschland 32 Männer und Frauen. Alle Teilnehmer litten unter dem metabolischen Syndrom, einer Ansammlung von Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck und erhöhten Blutzucker- und Blutfettwerten. Zusammen erhöhen diese Probleme das Risiko für Herzerkrankungen und Typ-2-Diabetes. Die Forscher teilten die Teilnehmer in zwei Gruppen ein, wobei eine Gruppe angewiesen wurde, zwei Tage lang dreimal täglich Haferflocken zu essen. Die Haferflocken wurden in Wasser gekocht, wobei die Zugabe kleiner Mengen Obst oder Gemüse erlaubt war. Insgesamt aßen diese Teilnehmer etwa 300 Gramm Haferflocken pro Tag und nahmen etwa die Hälfte ihrer üblichen Kalorien zu sich.
Die anderen Teilnehmer reduzierten ebenfalls ihre Kalorienzufuhr, durften jedoch keine Haferflocken essen.
Die Forscher fanden heraus, dass zwar beide Gruppen von der Kalorienreduktion profitierten, die Haferflocken-Diät jedoch eine deutlich größere Wirkung zeigte. Bei den Haferflockenessern zeigten Blut- und Stuhlproben, dass ihr LDL-Cholesterinspiegel innerhalb von nur 48 Stunden um etwa 10 % gesunken war. Im Durchschnitt verloren sie außerdem etwa 2 Kilogramm und ihr Blutdruck sank leicht. "Das ist eine erhebliche Senkung, wenn auch nicht ganz vergleichbar mit der Wirkung moderner Medikamente", sagte Dr. Marie-Christine Simon, Juniorprofessorin am Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften der Universität Bonn.
Dass Hafer sich positiv auf den Stoffwechsel auswirkt, ist nicht neu. Der deutsche Arzt Carl von Noorden behandelte Anfang des 20. Jahrhunderts Diabetespatienten mit dem Getreide – mit bemerkenswertem Erfolg. "Heute stehen wirksame Medikamente zur Behandlung von Diabetespatienten zur Verfügung", erklärt Marie-Christine Simon, Juniorprofessorin am Institut für Ernährungswissenschaft der Universität Bonn. "Daher wurde diese Methode in den letzten Jahrzehnten fast völlig vernachlässigt."
Die Hafer-Diät beeinflusste offenbar die Zusammensetzung der Darmflora. "Wir konnten feststellen, dass der Verzehr von Haferflocken die Anzahl bestimmter Bakterien im Darm erhöht", sagte Linda Klümpen, die Hauptautorin der Studie. Diese Bakterien verdauen Hafer und setzen Nebenprodukte frei, von denen einige in den Blutkreislauf gelangen und bestimmte Körperfunktionen beeinflussen. "In Tierversuchen wurde bereits gezeigt, dass eines dieser Nebenprodukte, die Ferulasäure, einen positiven Einfluss auf den Cholesterinstoffwechsel hat", so Klümpen. "Dies scheint auch für einige andere Stoffwechselprodukte der Bakterien zu gelten." Gleichzeitig, so erklärte sie, "entsorgten" andere Mikroorganismen die Aminosäure Histidin. Der Körper wandelt diese sonst in ein Molekül um, das im Verdacht steht, die Insulinresistenz zu fördern – den Haupttreiber von Typ-2-Diabetes. Die Vorteile zeigten sich am stärksten, wenn über einen kurzen Zeitraum große Mengen Haferflocken zusammen mit einer Kalorienrestriktion verzehrt wurden – nicht, wenn kleinere Portionen über einen längeren Zeitraum verteilt wurden.