Eine Krebsdiagnose trifft die meisten Menschen völlig unvorbereitet – ein Schock, der den Alltag von einer Sekunde auf die andere zum Stillstand bringt. Nach dem ersten Schock folgen rasch wichtige therapeutische Schritte: weitere Untersuchungen, Gespräche mit Ärzten sowie Entscheidungen über die individuell passende Behandlung. Chemotherapie und Immuntherapie gehören heute zu den wichtigsten Säulen der Krebsbehandlung. Wie gut die Therapie anschlägt, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Krebsart, Stadium der Erkrankung und individueller körperlicher Konstitution.
Eine darmfreundliche Ernährung kann das Immunsystem stärken – und sogar die Wirksamkeit moderner Krebstherapien erhöhen. Genau dieser Zusammenhang wird derzeit am Hanusch-Krankenhaus in Wien untersucht. Bei einer Praevenire-Veranstaltung zum Thema "Ernährung und innovative Medizin" wurde deutlich gemacht: Beim Zusammenspiel von Ernährung und Krebs rückt vor allem das Darmmikrobiom in den Fokus.
Das Darmmikrobiom (früher Darmflora) ist die Gesamtheit aus Billionen von Mikroorganismen – primär Bakterien –, die den Darm besiedeln. Als wichtiges "Super-Organ" unterstützt es entscheidend die Verdauung, stärkt das Immunsystem (60% der Abwehrzellen im Darm) und fördert die Darmgesundheit. Eine hohe Vielfalt (Diversität) ist essenziell für das Wohlbefinden.
"Schon vor rund zehn Jahren wurde erstmals gezeigt, dass Menschen mit einem gesunden Darmmikrobiom besser auf Therapien ansprechen", erklärte der Wiener Internist und Hämatologe Felix Keil. Das menschliche Mikrobiom bestehe aus rund 10¹² Bakterienzellen – nahezu so viele wie der gesamte menschliche Körper. Es mache etwa 60 Prozent der Stuhlmasse aus, wobei vor allem 30 bis 40 Bakterienarten von insgesamt rund 1.000 Spezies eine zentrale Rolle spielten.
Mittlerweile belegen mehrere Studien, dass eine verbesserte Darmflora die Wirksamkeit moderner Immuntherapien steigern kann. Keil verweist etwa auf positive Effekte bei Stammzelltransplantationen im Rahmen von Leukämiebehandlungen. Ähnliche Ergebnisse zeigten sich auch bei der CAR-T-Zelltherapie, die bei Leukämien und anderen schweren Erkrankungen des blutbildenden Systems eingesetzt wird. Seit rund 15 Jahren haben zudem Immun-Checkpoint-Inhibitoren die Behandlung vieler Tumorerkrankungen grundlegend verändert. "Bei Melanompatienten war eine hohe mikrobielle Vielfalt im Darm mit einer um etwa zehn Prozent höheren Wirksamkeit der Immuntherapie verbunden", so Keil. Am Hanusch-Krankenhaus soll nun genauer erforscht werden, welchen Einfluss gezielte Ernährungsformen auf den Therapieverlauf von Krebspatienten haben können.
Entscheidend für ein "gesünderes" Mikrobiom sei in erster Linie die Ernährung. Studien zeigen, dass sich Veränderungen der Darmflora bereits fünf Tage nach einer Ernährungsumstellung nachweisen lassen. Besonders förderlich sind unverdauliche Kohlenhydrate aus pflanzlichen Lebensmitteln, die die Vielfalt der Darmbakterien erhöhen. Präbiotisch wirksame Nahrungsmittel wie Zwiebeln, Knoblauch, Artischocken, Bananen oder Topinambur wirken ebenso positiv wie stärkehaltige Speisen, die gekocht, abgekühlt und wieder aufgewärmt werden – etwa Nudeln oder Erdäpfel. Der Fleischkonsum sollte hingegen eher begrenzt werden, während eine mediterrane Ernährung insgesamt als günstig gilt.