Ein Blick aufs Handy beim Aufstehen, Nachrichten lesen in der U-Bahn, scrollen in der Mittagspause, abends noch schnell durch Social Media – unser Alltag spielt sich längst auf Bildschirmen ab. Und genau diese Dauervernetzung sorgt bei immer mehr Menschen für Überforderung. Ausgerechnet die Generation, die mit Smartphones groß geworden ist, zieht nun die Reißleine. Auf TikTok verbreitet sich derzeit ein Trend, der bewusst auf Entschleunigung setzt: die "analog bag" – eine Tasche für alles, was ohne Bildschirm funktioniert.
Gerade für junge Menschen ist Social Media längst mehr als Unterhaltung: Likes, Aufrufe und Reichweite sind messbar – und damit auch der eigene Wert. Viele Gen-Z-User berichten deshalb von mentaler Erschöpfung, Vergleichsdruck und dem Gefühl, ständig "on" sein zu müssen. Die Sehnsucht nach mehr Ruhe und echtem Erleben wächst.
Genau hier setzt der Taschen-Trend an: Content Creatoren, unter anderem auch Diane, zeigen, was sie in ihrer Tasche mitnehmen: Statt des Handys landen Notiz- und Skizzenbücher, Sudoku-Hefte, CD-Player, Sticksets, Wasserfarben, Puzzles, Malbücher oder sogar Stricknadeln in der Handtasche. Dinge, die beschäftigen, ohne zu scrollen, zu swipen oder zu vergleichen.
Die Idee dahinter ist simpel: Wartezeiten, Busfahrten oder Pausen sollen wieder aktiv und bewusst genutzt werden. Nicht, um Content zu konsumieren, sondern um selbst etwas zu tun. Manche ersetzen gezielt Apps durch analoge Alternativen – das Handy bleibt in der Tasche, das Notizbuch kommt heraus.
Beim Trend geht es nicht darum, die digitale Welt komplett abzulehnen. Vielmehr ist die "analog bag" ein persönlicher Gegenpol – ein kleiner Rückzugsort im Alltag, der hilft, die eigene Bildschirmzeit zu reduzieren.
Nicht zeigen sich von der Bewegung begeistert: Influencerin Lottie sieht hinter der analogen Tasche zwar den verständlichen Wunsch nach weniger Bildschirmzeit, erkennt darin aber noch ein weiteres Motiv: die Flucht vor dem permanenten Konsumdruck im Netz.
Gleichzeitig beobachtet sie eine Entwicklung, die dem ursprünglichen Gedanken widerspricht: Immer öfter würden analoge Gegenstände nicht aus Überzeugung genutzt, sondern gekauft, weil sie "cool" sind. Bereits jetzt tauchen fertige "analoge Taschen" in Online-Shops auf.
Für die TikTokerin droht das Analoge damit, selbst zur Inszenierung zu werden. Wer beim Trend mitmachen möchte, sollte, laut ihr, auf Secondhand-Produkte setzen.