Ein nächtlicher Heimweg nach dem Akademikerball endete für einen 60-Jährigen im Spital: Der Mann soll im Jänner 2025 überfallen und seiner Studentenkappe beraubt worden sein. Am Mittwoch stehen deshalb sieben Angeklagte vor Gericht – die Sicherheitsvorkehrungen am Straflandesgericht wurden sichtbar erhöht.
Wie berichtet, hatte der 60-Jährige den Grazer Congress gegen 3 Uhr früh mit seiner Frau verlassen und war Richtung Hotel unterwegs, als das Paar plötzlich von einer Gruppe verfolgt worden sein soll. Zwei Personen sollen dem Burschenschafter die Kappe vom Kopf gerissen und dabei Gewalt angewendet haben. Der Mann aus dem Bezirk Liezen blieb demnach bewusstlos am Boden liegen, während die Angreifer und ihre Begleiter flüchteten.
Vor Gericht sind sieben Personen wegen schweren Raubs angeklagt. Ein Deutscher und ein Österreicher gelten in der Anklage als unmittelbare Täter. Die fünf weiteren Beschuldigten, darunter auch Frauen, werden als Beitragstäter geführt: Sie sollen dem Duo den Rücken freigehalten, Aufpasserdienste übernommen und anschließend gemeinsam mit ihnen geflüchtet sein. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Zu Prozessbeginn versuchte die Staatsanwältin, den Fokus deutlich zu machen: "Hier geht es nicht um die Gesinnung der Angeklagten, es geht nur um eine Wegnahme", betonte sie. Dass die politische Dimension dennoch im Raum steht, zeigte bereits das große Polizeiaufgebot. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt – viele Zuhörer wirkten, als wären sie aus Sympathie zu den Angeklagten gekommen, berichtet die "Kleine Zeitung". "Dass das Motiv politisch war, mag sein, hat hier aber keine Relevanz", mahnte die Anklägerin.
Nach Darstellung der Staatsanwältin sollen die sieben Angeklagten zunächst an der Demonstration gegen den Akademikerball teilgenommen haben, die friedlich verlief. Anschließend hätten sie sich in einem Café getroffen, dort die Tat beschlossen und dann gezielt nach einem Opfer gesucht.
Dagegen hielt eine Verteidigerin sofort: "Beim Ermittlungsverfahren schien es sehr wohl um Gesinnung zu gehen." Sie verwies auf Hausdurchsuchungen, Handyauswertungen und internationale Haftbefehle. Die Staatsanwältin erklärte die Ermittlungsintensität damit, dass anfangs unklar gewesen sei, ob womöglich Anschläge geplant waren. Dass ihre Mandanten "sich einer bestimmten Gesinnung entgegenstellen", sah die Anwältin als gegeben an – die Anklage nannte sie "etwas kreativ".
Der Erstangeklagte schilderte den Vorfall so: "Ich bin am Congress vorbeigekommen und habe den Mann mit seiner Frau gesehen". Er sei den beiden gefolgt, "weil ich neugierig war. Dann habe ich mich zu der spontanen Idee hinreißen lassen, ihm die Kappe wegzunehmen", sagte er. Dass der Mann dabei verletzt wurde, will er nicht bemerkt haben. Danach sei er gemeinsam mit einem weiteren Angeklagten in dessen Wohnung gegangen.
Das Opfer, das am Donnerstag aussagen soll, hatte unmittelbar nach der Tat ein politisches Motiv vermutet: "Ich habe mich als Burschenschafter zu erkennen gegeben und meine Couleur getragen." Er glaubt, seine Kappe sei als "Trophäe" entwendet worden. Auch die Polizei ging zunächst von einer politisch motivierten Gewalttat aus.
In der Folge übernahm das Landesamt für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung den Fall, Ermittlungen in der linken Szene liefen an. Nachdem gegen sieben Verdächtige ermittelt wurde, sah die linke Szene eine "politische Motivation" hinter der polizeilichen Verfolgung. "Völlig überzogen" und "konstruiert" seien die Vorwürfe, hieß es damals.
Anfang März wurden zunächst ein 23-jähriger Mann und eine 25-jährige Frau, beide Österreicher, in Graz festgenommen. Als wichtiges Puzzleteil galten Aufnahmen einer Überwachungskamera nahe dem Tatort. Drei weitere Personen wurden später an ihren Grazer Adressen ausgeforscht.
Zwei Deutsche mit Wohnsitz in Graz fehlten zunächst noch: Sie wurden per europäischem Haftbefehl gesucht. Unter dem Fahndungsdruck meldeten sich die beiden schließlich selbst bei der Polizei.