Bambussprossen sind im Westen wahrscheinlich am ehesten als Nahrung für Pandas bekannt, aber diese Pflanzen sind seit Jahrhunderten Teil der asiatischen Ernährung. Manche kennen vielleicht die Bambussprossen in chinesischen Gerichten. Aber die Pflanze hat eine breite Palette an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen zu bieten.
Eine umfassende Auswertung von 16 wissenschaftlichen Studien zeigt, dass diese unscheinbare Pflanze einen hohen Nährwert hat, der in der westlichen Welt weitaus mehr Beachtung finden sollte. Die gesundheitlichen Vorteile der Bambuspflanze reichen von der Blutzuckerkontrolle bis zum Schutz vor giftigen Kochverbindungen.
Die wissenschaftliche Arbeit untersuchte Studien mit 4.934 menschlichen Teilnehmern sowie zahlreiche Laborexperimente an menschlichen Zellen. Das Ergebnis: Diese Pflanze bietet eine Vielzahl an Vorteilen für mehrere Körpersysteme.
Diabetiker, die Kekse mit Bambussprossen verzehrten, verzeichneten eine messbare Senkung ihres Blutzuckerspiegels. Der Effekt war dosisabhängig, d. h. höhere Mengen an Bambussprossen führten zu einer stärkeren Senkung des Blutzuckerspiegels. Teilnehmer, die Bambussprossen als Ballaststoffquelle zu sich nahmen, verzeichneten eine Verbesserung ihrer Cholesterinwerte. Im Vergleich zu Personen, die sich ballaststofffrei ernährten, sank ihr Gesamtcholesterin und ihr LDL-Cholesterin. Auch die Verdauung funktionierte besser. Die Probanden hatten einen regelmäßigeren Stuhlgang und höheres Stuhlvolumen.
Laborstudien zeigten, dass die Fähigkeiten von Bambus weit über die typischen Vorteile von Ballaststoffen hinausgehen. Bambusblattextrakte, die reich an Flavonoiden sind, zeigten eine schützende Wirkung gegen Acrylamid und Glycidamid – giftige Verbindungen, die entstehen, wenn stärkehaltige Lebensmittel wie Kartoffeln bei hohen Temperaturen gekocht werden. Menschliche Zellen, die Bambusextrakten ausgesetzt waren, zeigten eine starke Resistenz gegen reaktive Sauerstoffspezies, die zu Zellschäden führen, die wiederum Alterung und Krankheiten begünstigen. Die Extrakte zeigten auch entzündungshemmende Eigenschaften und trugen dazu bei, die Lebensfähigkeit der Zellen auch unter Stressbedingungen aufrechtzuerhalten.
All diese schützenden Wirkungen sind auf das Nährstoffprofil von Bambus zurückzuführen. Die Triebe enthalten viel Eiweiß, moderate Mengen an Ballaststoffen und nur wenig Fett. Auch essenzielle Aminosäuren, Selen und Kalium sind in erheblichen Mengen enthalten. Bambusblätter enthalten Pflanzenstoffe wie Orientin, Vitexin und verschiedene Phenolsäuren, die eine antioxidative Wirkung haben. Bambussprossen liefern Ballaststoffe in einer Form, die der Körper effektiv verwerten kann. Der hohe Gehalt an Cellulose, Hemicellulose und Lignin sorgt für einen hohen Anteil an unlöslichen Ballaststoffen, die das Verdauungssystem effizient durchlaufen. In Kombination mit Pflanzensterinen (natürlichen Verbindungen, die dem Cholesterin ähneln) wie Beta-Sitosterin tragen diese Ballaststoffe dazu bei, den Fett- und Cholesterinspiegel im Blut zu senken. Frische Bambussprossen enthalten Thiamin, Niacin, Vitamin A, Vitamin B6 und Vitamin E.
Trotz dieser Vorteile gibt es beim Verzehr von Bambus eine wichtige Einschränkung. Eine Studie ergab eine hohe Prävalenz von Kropfbildung bei Schulkindern, die regelmäßig Bambussprossen aßen, selbst in Gebieten mit erfolgreichen Programmen zur Jodanreicherung von Salz. Bambussprossen enthalten Stoffe, die bei unsachgemäßer Zubereitung die Produktion von Schilddrüsenhormonen beeinträchtigen. Insbesondere cyanogene Glykoside setzen bekanntermaßen Cyanid frei, wenn sie roh verzehrt werden. Tierversuche zeigten ein erhöhtes Schilddrüsengewicht, zelluläre Veränderungen und eine verminderte Schilddrüsenenzymaktivität bei Versuchstieren, die unbehandelte Bambussprossen gefressen hatten.
Durch das Vorkochen der Sprossen in Wasser für unterschiedliche Zeiträume werden diese Verbindungen entfernt und der Verzehr sicher gemacht. Die erforderliche Zeit hängt von der Bambusart ab. Einige Sorten können roh verzehrt werden, aber für die Sicherheit ist es nach wie vor entscheidend zu wissen, welche Sorten eine Zubereitung erfordern.
Zu den Vorteilen von Bambus zählen auch Nachhaltigkeitsfaktoren. Die Pflanze gilt als die am schnellsten wachsende auf der Erde, mit schneller Reifung und kurzen Produktionszyklen. Die weltweite Bambuswaldfläche wuchs zwischen 1980 und 2010 jährlich um 3 Prozent, obwohl die gesamte Waldbedeckung zurückging. Asien verfügt über 80 Prozent der weltweiten Bambusbestände, wobei Indien und China mit 9,57 Millionen Hektar bzw. 6,01 Millionen Hektar die größten Flächen beanspruchen.
Weltweit gibt es über 1.250 Bambusarten mit mehr als 1.500 dokumentierten Verwendungszwecken außerhalb der Ernährung. Diese weitverbreitete Verfügbarkeit, insbesondere in Regionen, in denen nährstoffreiche Lebensmittel knapp sind, macht Bambus zu einem potenziell wertvollen nachhaltigen Nahrungsergänzungsmittel. Die Pflanze wächst bereits natürlich in vielen einkommensschwachen Gebieten, wo ihr vermehrter Verzehr die Ernährung verbessern und gleichzeitig die lokale Wirtschaft durch den Bambusanbau unterstützen könnte.