Scrollt man derzeit durch Instagram oder TikTok, fühlt es sich wie eine kollektive Zeitreise an. "2016 Throwback": Massen posten Fotos von vor zehn Jahren. Valencia-Filter, Boomerangs aus verrauchten Bars und verschwommene Bilder. In den Captions steht meistens, wie sehr diese Zeit vermisst wird, wie alles "freier" war und wie "echt" alles im Jahr 2016 war. Damals war alles besser, wird uns dieser Tage suggeriert. Doch wie sah es damals mit unserer Gesundheit aus? Ich hab da einmal genauer hingesehen...
2016 war ohne Zweifel ein spannendes Jahr: Instagram wurde plötzlich weltweit relevant, Likes zählten mehr als je zuvor, Influencer:innen entstanden nach und nach und auch das tägliche Posten mit dem Hashtag #likeforlike und #follow4follow gehörte zu dieser Zeit.
Doch es war anders als heute: Postings waren weniger durchdacht, weniger "clean". Vielleicht lag es an den noch nicht ganz so leistungsfähigen Smartphonekameras - aber verschwommene Partyvideos, Spiegelselfies mit Blitz und eher mäßig appetitlich aussehende Salate wurden trotzdem gepostet.
Sharing ist caring oder so ähnlich - es wurde drauf losgepostet, was das Zeug hielt. Ohne passender Musik im Hintergrund oder perfektem Angle. Eigentlich ein positiver Punkt, aber blickt man auf den gesundheitlichen Aspekt dieser Zeit, war nicht alles so rosig, wie es jetzt vielleicht wirken mag.
Rauchen war deutlich präsenter und jedes Wochenende flaschenweise Alkohol zu posten (und zu trinken), gehörte zum sozialen Standards. Und während echte Gesundheit noch sehr im Hintergrund standen, begann ein ganz anderer Druck.
Besonders im Bereich Beauty galt: je mehr, desto besser. Hautgesundheit war weniger ein Thema, als dicke Augenbrauen, Fake Lashes und ordentlich Make-up. Contouring war schon fast eine Kriegsbemalung und Extensions - egal ob an den Wimpern oder im Haar - waren das Nonplusultra. Es ging dabei nicht darum, sich selbst zu unterstreichen, sondern sich optisch zu verändern.
Heute sind wir da etwas gesünder unterwegs - natürliche Looks trenden, individuelle Pflege statt starker Make-up Schichten, die die Poren verstopften. Viele Marken und Influencer:innen propagieren heute mehr Selfcare und Selbstakzeptanz. Der Druck, perfekt zu wirken, ist zwar keinesfalls verschwunden, wird aber zunehmend durch Authentizität und Transparenz ausgeglichen.
Vor 10 Jahren fanden Workouts für die meisten von uns in klassischen Gyms statt - inklusiver Neon-Leggins und Boomerang-Postings. Trainiert wurde damals unter dem Motto: Je härter, desto besser. Regeneration, Mobilität, hormonelle Gesundheit oder Zyklusbewusstsein spielten keine Rolle.
HIIT Workouts oder Zumba waren damals besonders gehyped, mit dem Hintergrund, möglichst viele Kalorien zu verbrauchen. Ganzheitliche Konzepte wie Reformer Pilates oder funktionales Training waren kaum zu sehen. Heute sind diese Orte zwar sehr "instagrammable" geworden, aber die Motivation hat sich bei vielen geändert. Es geht nicht nur darum, einen schönen sportlichen Körper zu haben, sondern seine Haltung und Beweglichkeit zu verbessern.
Zu allen Gruppen-Workouts gibt es einen Teil, der Stretching und Achtsamkeit einbezieht - der Körper wird dabei als langfristiges Projekt gesehen, als eine Ausdauermaschine. Und im klassischen Gym? Da sieht man immer mehr Frauen im Kraftbereich - weil man mittlerweile weiß, wie gut es für Haltung, Stabilität und Knochengesundheit ist. Und Cardio wird bewusster eingesetzt: nicht mehr nur Kalorienverbrennung um jeden Preis, sondern als Ergänzung für Herz-Kreislauf-Gesundheit und Wohlbefinden.
Eines der wichtigsten Dinge im noch so hochgelobten Jahr 2016 wurde völlig außer Acht gelassen: psychische Gesundheit und gesellschaftliches Bewusstsein. Burnout, Angstzustände und Depressionen - darüber sprach kaum einer offen und ehrlich. Man funktionierte, postete und lächelte. Über Grenzen zu sprechen - besonders online - galt als Schwäche, nicht als Stärke.
Auch gesellschaftliche Bewegungen rund um Gleichberechtigung, Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung standen noch am Angang - global sichtbar war erst 2017 die #Metoo-Bewegung. Themen wie toxische Strukturen oder Ungleichheit wurden einfach hingenommen. Was damals öffentlich, sei es in Werbungen oder Serien/Filmen, gesagt und normalisiert wurde, würde heute in dieser Form kaum noch vorkommen - und darauf können wir stolz sein.
Heute hat sich das Bewusstsein deutlich verbessert: Psychische Gesundheit wird offener thematisiert, Therapie und Selbstfürsorge sind nicht mehr Tabu. Gleichberechtigung ist Teil öffentlicher Debatten und Frauen können sich stärker gegen Sexualisierung und unfaire Erwartungen wehren.
Zwar zeigt Social Media noch perfekte Inszenierungen, doch die Denkanstöße der letzten Jahre haben vieles bewegt. Bleibt zu hoffen, dass wir keine Rückschritte erleben - sei es im Bezug auf unsere körperliche Gesundheit oder mentale Balance.