Südtiroler Studie

Gefahr bei Minusgraden – Kälte lässt Hirn einfrieren

Eine neue Studie aus Südtirol zeigt: Kalte Temperaturen lassen nicht nur Finger eisig werden – sie bremsen auch das Gehirn.
Heute Life
18.02.2026, 17:26
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Der kalte Wind weht ins Gesicht, der Boden ist hart gefroren. Man steht frühmorgens draußen, kratzt noch schnell die Autoscheibe frei oder tippt am Handy eine Nachricht. Doch plötzlich merkt man: Die Gedanken sind nicht so klar wie sonst, die Reaktion dauert einen Tick zu lang. Was wie bloße Morgenmüdigkeit wirkt, hat einen anderen Grund: die Kälte.

Das Hirn friert schneller als gedacht

Was viele aus eigener Erfahrung kennen, haben Forscher aus Südtirol und Innsbruck nun wissenschaftlich belegt: Kälte kann das Denkvermögen bereits nach wenigen Minuten messbar beeinträchtigen. Für ihre Untersuchung schickte das Forscherteam in Bozen 24 gesunde Frauen und Männer im Alter von 18 bis 60 Jahren in eine spezielle Klimakammer: In der Hightech-Anlage "terraXcube" wurden realistische Umweltbedingungen simuliert – bei minus zehn, fünf und 20 Grad Celsius.

Tests unter Extrembedingungen

Die Teilnehmer absolvierten in der Klimakammer verschiedene kognitive Tests: Gemessen wurden unter anderem Reaktionszeit, Verarbeitungsgeschwindigkeit, Aufmerksamkeit und Risikoverhalten. Zusätzlich erfassten die Forscher Herzfrequenz, Stresslevel, Kälteempfinden sowie Haut- und Körperkerntemperatur.

Alle Probanden trugen auch "angemessene Kleidung": Es ging also nicht darum, Menschen schutzlos der Kälte auszusetzen, sondern um realistische Bedingungen – wie sie etwa bei Outdoor-Arbeit, Wintersport oder alpinen Einsätzen vorkommen.

Die Hypothese der Forscher: Die geistige Leistungsfähigkeit nimmt bei niedrigen Temperaturen ab, möglicherweise sogar geschlechtsspezifisch, noch bevor sich die Körperkerntemperatur verändert.

Reaktion langsamer, Risiko geringer

Die Ergebnisse, veröffentlicht im Fachjournal Scientific Reports, sind deutlich: Bei minus zehn Grad kam es zu vorübergehenden Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit. Die Reaktionszeiten verlängerten sich, es traten mehr "Aussetzer" bei der Aufmerksamkeit auf. Auch die Entscheidungsfindung veränderte sich – die Teilnehmer verhielten sich risikoärmer.

Interessant dabei: Die Körperkerntemperatur blieb stabil. Zwar unterschieden sich Herzfrequenz, Stresslevel, Kälte- und Wohlbefinden zwischen den Temperaturstufen deutlich – das "innere Thermometer" sank jedoch nicht.

Selbst gut gekleidet und bei stabiler Körpertemperatur reagiert unser Gehirn sensibel auf Minusgrade: Wer also auch nur kurz in der Kälte arbeitet, sollte das unbedingt beachten.

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