Christiane Teschl-Hofmeister, seit März 2018 Landesrätin in NÖ, spricht im großen "Heute"-Interview über brennende Themen – Pflege, Bildung, Wohnen.
Landesrätin Teschl-Hofmeister (ÖVP) verweist hier auf eine neue Wohnbauförderrichtlinie. Erstmals wird dabei eine Größenbeschränkung eingeführt. Ziel sei es, Bodenversiegelung einzudämmen und Fördermittel gezielt einzusetzen. "Wir haben eine neue Richtlinie erlassen, die ab 2027 gilt. Mit Blick auf die Bodenversiegelung ist klar: 170 m² müssen genug sein. Wer größer baut, wird sich das selbst leisten können. Im geförderten Wohnbau wurden trotz schwieriger Lage neue Rekordwerte auf den Weg gebracht. 2025 waren es 952 Mio. Euro."
Zum Thema Leerstände sagt sie: "Wir setzen einen starken Fokus auf Sanieren. Dazu gibt es auch die Fördermaßnahme 'Reconstructing'. Ein Anreiz, dass man sich drüber traut, nicht mehr renovierbare Gebäude abzureißen und etwas Neues an der Stelle zu bauen. Mit der Initiative stärkt NÖ die Ortskernentwicklung."
Im Rahmen der "blau-gelben Betreuungsoffensive" investieren Land und Gemeinden bis 2027 insgesamt zusätzlich 750 Millionen Euro. Ziel ist ein Betreuungsplatz für alle Zwei-Jährigen. Dafür werden Hunderte neue Kindergarten- und Kleinkindergruppen geschaffen.
Laut Teschl-Hofmeister ist Niederösterreich bereits über der Halbzeit des Projekts, mehr als 60 Prozent der geplanten Maßnahmen seien umgesetzt. Gruppen wurden verkleinert, zusätzliches Personal angestellt. In der Betreuung der Zwei-Jährigen liege Niederösterreich mittlerweile österreichweit an der Spitze: "Die NÖ Betreuungsoffensive ist die größte familienpolitische Initiative. Von den im Vergleich zum Vorjahr 360 neuen Kindergartengruppen im Bundesgebiet kamen 251 Gruppen in NÖ neu dazu. Bei den Besuchsquoten nach Einzeljahren führt NÖ bei den 2-Jährigen (82,1 %) im Bundesländervergleich."
Die Herausforderungen durch Migration seien in Niederösterreich ähnlich wie in anderen Bundesländern, besonders in Ballungsräumen, die größten Herausforderungen gebe es logischerweise in Wien. Teschl-Hofmeister betont, dass viele erfolgreiche Maßnahmen hier in Niederösterreich entwickelt wurden, etwa Deutschförderklassen in Wr. Neustadt.
Sie spricht sich klar für frühzeitige Sprachförderung aus. "Das zweite verpflichtende Kindergartenjahr ist ein Schritt in die richtige Richtung. Es braucht auch die Eltern: Wenn zu Hause nicht Deutsch gesprochen wird, kann die Schule das nicht wieder ausgleichen", so die Landesrätin.
Teschl-Hofmeister bekennt sich klar zur Wahlfreiheit im Bildungssystem und damit auch zum Erhalt der Sonderschulen. Viele Eltern würden diese bewusst wählen, da kleinere Gruppen und spezialisiertes Personal ihren Kindern zugutekämen.
Integration sei wichtig, müsse aber nicht in jedem Fall der richtige Weg sein. Entscheidend sei ausreichend gut ausgebildetes Personal – sowohl in Regel- als auch in Sonderschulen.
Nur ein Verbot an Schulen auszusprechen, hält die Landesrätin für nicht für ausreichend. Wichtig sei der kompetente Umgang mit digitalen Medien. Sie plädiert für begleitende pädagogische Maßnahmen, die Schüler, Eltern und Lehrkräfte einbinden. Altersbeschränkungen bei Social Media hält sie für denkbar, allerdings, wenn sie breit – etwa auf europäischer Ebene – umgesetzt werden. Teschl-Hofmeister zu einem Handy- und Social-Media-Verbot für Schüler: "Nur ein Verbot auszusprechen, ist nicht die Lösung, es braucht auch eine Handy-kompetente Schule und hier setzen wir gezielte Maßnahmen."
In der Pflege verfolgt Niederösterreich laut Teschl-Hofmeister das Ziel, Menschen ein möglichst langes Leben zu Hause zu ermöglichen. Instrumente dafür sind unter anderem der Pflege-Scheck sowie der Ausbau der sozialen Alltagsbegleitung. Neue Wohnformen wie betreutes Seniorenwohnen sollen eine Brücke zwischen eigenem Zuhause und Pflegeheim schlagen. Gleichzeitig wird an Übergangspflege-Zentren gearbeitet.
"Die Menschen wollen zu Hause alt werden. Unterstützung gibt es etwa mit dem 1.000-Euro-Pflegescheck. Wir haben auch eine neue Wohnform mit dem Seniorenwohnen", so die Landesrätin. Beim Thema Übergangspflege betont sie: "Das ist das, was die Menschen wollen. Es gibt zwei große Projekte: Das Übergangszentrum für Pflege in Melk und ein zweites Zentrum kommt nach Klosterneuburg an den Weißen Hof."
Angesichts des Personalmangels setzt Niederösterreich auch auf internationale Pflegekräfte. Ein spezielles Projekt mit Vietnam sieht vor, dass junge Menschen dort Deutsch lernen und anschließend freiwillig in Niederösterreich eine Ausbildung absolvieren. Teschl-Hofmeister betont, dass es sich um eine dringend benötigte Ergänzung handle und nicht um Konkurrenz für heimische Arbeitskräfte: "Wir brauchen mehr Personal und haben mit dem Vietnam-Projekt einen Weg eingeschlagen, den es europaweit so nicht gibt. 150 Pflegekräfte sind nach NÖ unterwegs. In Vietnam wird Deutsch gelernt, bei uns geht es in die Praxis."
Pflege sei ein fordernder Beruf, räumt die Landesrätin ein. In den vergangenen Jahren habe sich jedoch vieles verbessert: Ausbildungsvergütung, bezahlte Pausen und bessere Rahmenbedingungen.
Viele Pflegekräfte würden bestätigen, dass das Einkommen nicht das Hauptproblem sei. Und: "Früher musste man für die Ausbildung bezahlen, heute bekommt man Geld dafür, wenn man die Ausbildung startet." Größere Herausforderungen sieht sie bei Dienstplan-Stabilität und Arbeitsbelastung, an denen weiter gearbeitet werde.
Teschl-Hofmeister unterstreicht, dass Pflege ein wesentlicher Teil der Gesundheitsversorgung sei. Projekte wie neue Übergangspflege-Zentren seien europaweit beispielhaft. Der aktuelle Gesundheitsplan enthalte aus ihrer Sicht wichtige und zukunftsweisende Maßnahmen, insbesondere für die Langzeit- und Übergangspflege. Zur Übergangspflege sagt sie: "Das ist das, was die Menschen wollen. Es gibt zwei große Projekte: Das Übergangszentrum für Pflege in Melk und ein zweites Zentrum kommt nach Klosterneuburg an den Weißen Hof."