Sie sehen aus wie Limonade, sollen aber gut für den Darm sein: Präbiotische Softdrinks boomen gerade in Supermärkten und in den sozialen Medien. Weniger Zucker, besseres Bauchgefühl: Das Versprechen klingt verlockend. Doch wie viel Gesundheit steckt tatsächlich in den trendigen Dosen und Flaschen? Ernährungswissenschafterin und klinische Diätologin Daniela Bergthaler ordnet den Hype im Gespräch mit "Heute" ein.
Im Vergleich zu klassischen Softdrinks schneiden präbiotische Varianten auf den ersten Blick besser ab: "Sie enthalten häufig weniger Zucker und können damit eine weniger ungünstige Wahl darstellen", verrät die Wiener Expertin. Gleichzeitig stellt sie klar: "Als eindeutig gesund gelten sie jedoch nicht."
Der Grund: Limonaden enthalten viel freien Zucker, der mit Gewichtszunahme, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung steht. Außerdem sättigt flüssiger Zucker schlecht – man nimmt insgesamt mehr Kalorien auf. Auch das Karies-Risiko steigt, da Zucker und Säuren den Zahnschmelz schädigen.
Präbiotika sind unverdauliche Nahrungsbestandteile, die gezielt bestimmte Darmbakterien fördern: "Studien zeigen, dass sie vor allem das Wachstum von Bifidobakterien und Laktobazillen unterstützen", so Bergthaler. Bei der Fermentation entstehen kurzkettige Fettsäuren, die die Darmbarriere stärken und entzündungshemmend wirken können.
Allerdings gilt auch hier: "Die Effekte sind dosisabhängig und individuell unterschiedlich." Gerade zu Beginn könne es zudem zu Blähungen oder Magen-Darm-Beschwerden kommen.
Theoretisch ja, praktisch aber oft nur eingeschränkt: "Ein präbiotischer Softdrink könnte unter bestimmten Bedingungen einen positiven Effekt haben, wenn er wirksame Präbiotika in ausreichender Menge enthält", erklärt die Diätologin. In vielen Produkten liege die Menge jedoch unter jener, die in Studien eingesetzt wird.
Problematisch sei außerdem die Kombination mit Zucker oder Süßstoffen: "Diese können mögliche Vorteile wieder abschwächen oder neutralisieren." Ihr Fazit: "Solche Getränke ersetzen keine ballaststoffreiche Ernährung und können höchstens ergänzend gesehen werden."
Für die Darmgesundheit sind vollwertige Lebensmittel deutlich relevanter als funktionelle Getränke. Bergthaler rät zu einfachen Umstellungen im Alltag: Vollkorn statt Weißmehl, regelmäßig Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst, Nüsse und Samen. Schon kleine Veränderungen erhöhen die Ballaststoffzufuhr deutlich – begleitet von ausreichender Flüssigkeit, damit diese ihre positive Wirkung im Darm entfalten können.