Ob zur Mundhygiene, Kontrolle oder bei Zahnschmerzen – regelmäßige Besuche beim Zahnarzt zahlen sich aus. Aber damit alles rund läuft, musst auch du mithelfen. Eine Zahnärztin verrät, welche Angewohnheiten du deinem Gebiss zuliebe lieber ablegen solltest.
"Wer es besonders gut meint und mehrmals täglich mit einer extra-harten Zahnbürste extra-lang putzt, schadet den Zähnen mehr, als dass er ihnen nutzt", meint Hannah Selzner, Schweizer Zahnärztin, gegenüber "20 Minuten". Das kann zu sogenannten Putzdefekten führen, vor allem am Zahnhals. "Dabei kann die Zahnhartsubstanz leicht abgetragen werden oder es kann sich eine Rezession bilden. Das bedeutet, dass sich das Zahnfleisch zurückzieht."
"Oft starten Patienten die erste Untersuchung mit Sätzen wie: 'Ich habe die schlechten Zähne von meinem Vater oder von meiner Mutter geerbt' – aber das stimmt so nicht", erklärt Selzner. Es gibt zwar ein paar genetische Faktoren, die das Risiko für Parodontitis erhöhen, doch "die Bakterien in der Mundhöhle, die Ernährung und die Mundhygiene spielen eine weitaus wichtigere Rolle für die Zahngesundheit."
"Eine beginnende Karies verursacht noch keine Schmerzen", so die Zahnärztin. "Deswegen nehmen einige Patienten die Krankheit nicht ernst genug." Das kann böse enden: "Handelt man rechtzeitig, reicht eine Füllung aus. Wartet man aber, bis Beschwerden auftreten, sitzt die Karies so tief, dass der Nerv mitbetroffen ist. Dann muss man eine Wurzelkanalbehandlung durchführen, die vermeidbar gewesen wäre."
Gerade bei einer Wurzelbehandlung kann das zum Problem werden: "Das ist ein Thema, das eine befreundete Zahnärztin und mich immer wieder zum Seufzen bringt", erzählt Selzner im "20 Minuten"-Interview. Ist die Entzündung am Nerv schon weit fortgeschritten, muss vor dem richtigen Eingriff oft ein Antibiotikum verschrieben werden.
"Durch das Medikament lassen die Schmerzen nach. Einige Patienten tauchen deshalb zur notwendigen Behandlung einfach nicht mehr auf." Die Ursache bleibt aber, und der Schmerz kommt immer wieder zurück.
"Es gibt Patienten, die kommen das erste Mal in eine Praxis und fragen gezielt nach einem Bleaching", erzählt Selzner. "Erklärt man ihnen, dass erst eine Untersuchung der Zähne notwendig ist, wollen das viele nicht hören und gehen wieder." Laut ihr ist das dennoch wichtig, um etwa Karies oder Entzündungen auszuschließen, die man zuerst behandeln muss, bevor man das Bleaching sicher machen kann.
"Wenn Patienten nicht ehrlich sind, können wir sie auch nicht individuell und so, wie es notwendig ist, behandeln", so Selzner. Natürlich merkt man meist schnell, wer wirklich regelmäßig Zahnseide benutzt und bei wem das eher nicht der Fall ist, wer raucht, knirscht oder viel Zucker isst. "Ein gutes Arzt-Patienten-Verhältnis ist aber wichtig. Und das sieht anders aus."