Der künftige Leiter der Universitätsklinik für Nephrologie und Hypertensiologie in Innsbruck, Andreas Kronbichler, warnt vor einer deutlichen Zunahme von Nierenerkrankungen: Bis zum Jahr 2040 könnte jeder fünfte Mensch in Österreich und weltweit betroffen sein. Derzeit leidet hierzulande etwa jede zehnte Person, global sind es rund 13 Prozent. Als zentrale Treiber nennt der Nephrologe unter anderem ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel.
Bei der Diagnose von Nierenerkrankungen stoßen Ärztinnen und Ärzte häufig auf sogenannte Volkskrankheiten wie Diabetes, Adipositas oder Bluthochdruck. Dabei handle es sich oft nicht um einen einseitigen Zusammenhang: So könne Bluthochdruck sowohl Ursache als auch Folge einer Nierenerkrankung sein. Zusätzlich trage auch die alternde Bevölkerung zu den steigenden Fallzahlen bei.
Derzeit gebe es allerdings noch zu wenige niedergelassene Nephrologen, die solche Screenings durchführen könnten. Dieser Bereich müsse ausgebaut und besser geschult werden, betonte Kronbichler. Zudem könnten niedergelassene Fachärzte künftig stärker in die Nachbetreuung, etwa nach Nierentransplantationen, eingebunden werden – Aufgaben, die derzeit vor allem von den klinischen Zentren übernommen werden. Auch lange Anfahrtswege für Patienten seien dabei ein Thema.
Die entscheidende Funktion in diesem Bereich komme allerdings dennoch den "klinischen Zentren" zu. Und dabei sei die Innsbrucker Universitätsklinik "österreichweit führend." Man übernehme einen großen Teil der Patienten mit akuten oder chronischen Nierenerkrankungen oder führe Nierentransplantationen und "Nierenersatztherapien" durch. Zudem sei Innsbruck das "einzige Expertisezentrum für seltene Nierenerkrankungen in Österreich", strich Kronbichler heraus.
Gleichzeitig sieht Kronbichler großes Präventionspotenzial. Regelmäßige Bewegung sowie eine salzarme, mediterrane oder eiweißreduzierte Ernährung könnten das Risiko senken. Ein zentrales Problem sei jedoch, dass die Niere ein "stilles Organ" sei: Viele Betroffene suchen erst spät ärztliche Hilfe. Abhilfe könnten frühe und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen schaffen – insbesondere Urinanalysen, bei denen Eiweißausscheidungen erkannt werden.