Weltweit nehmen Krebserkrankungen bei jungen Erwachsenen zu. Betroffen sind sie vor allem von Darm-, Brust-, Magen-, Bauchspeicheldrüsen- und Leberkrebs. Zahlen zu Krebserkrankungen zeigen, dass immer öfter Menschen der Generation X und die Millennials betroffen sind. "Zu den Hauptrisiken zählen eine Ernährung mit vielen ultra-verarbeiteten Lebensmitteln, der frühe Einsatz von Antibiotika, Übergewicht, Bewegungsmangel, Alkohol und (...) und andere Chemikalien", so Eva Schernhammer, Leiterin der Abteilung für Epidemiologie, Zentrum für Public Health, MedUni Wien.
Dieser Trend bestätigt sich auch in Österreich: In den Jahren 1996 bis 2020 traten insgesamt mehr als 56.000 Krankheitsfälle bei jungen Erwachsenen auf. Brustkrebs (47,3 %), Darmkrebs (12,8 %) und Lungenkrebs (11,3 %) sind dabei führend. Für Schernhammer sind umfangreiche Präventionsmaßnahmen notwendig, um die zukünftige Belastung zu verringern. "Für einige Krebsarten – insbesondere für Darmkrebs – wurden aufgrund der steigenden Zahlen bereits Leitlinien geändert und frühere Vorsorgeuntersuchungen vorgeschlagen und auch umgesetzt".
Der 31. Jänner 2026 steht ganz im Zeichen der Krebsvorsorge. Das Comprehensive Cancer Center (CCC) von MedUni Wien und AKH Wien lädt alle Interessierten von 10 Uhr bis 13 Uhr in den Van Swieten Saal (1090 Wien, Van Swieten Gasse 1a) ein, sich bei Vorträgen und persönlichen Gesprächen mit führenden Experten über das persönliche Risiko und das Thema "Krebsvorsorge" zu informieren. Anmeldung erbeten. Das volle Programme gibt's HIER.
Für alle, die nicht vor Ort dabei sein können, gibt es einen Livestream.
Beim Krebs-Vorsorgetag bringen Experten bei Panel-Diskussionen ihre Perspektiven, Erkenntnisse und Erfahrungen zu Themen wie "Krebs bei Kindern und Jugendlichen" und "Was Eltern wissen sollten" ein. Ein Fokus wird zudem beim Thema "Genetik als Risikofaktor" liegen. Christian Singer, Leiter des Brustkrebszentrums am CCC informiert über familiäre Disposition. "Etwas mehr als 10 % aller Brustkrebserkrankungen treten familiär gehäuft auf. In wiederum etwa der Hälfte davon – rund 5–7 % aller Brustkrebserkrankungen – sind Mutationen in einem der beiden Brustkrebsgene BRCA-1 und BRCA-2 („BReast CAncer"-Gene) ursächlich für die Erkrankung verantwortlich", so Singer. Er empfiehlt als wesentlichen ersten Vorsorgeschritt bei familiärer Vorbelastung das genetische Beratungsgespräch durch entsprechend geschulte Fachärzte für Gynäkologie und Geburtshilfe. Ist eine genetische Testung angebracht, können heute bis zu 18 verschiedene Krebsgene erkannt werden.
HPV (Humanes Papillomavirus) ist ein sehr häufiges Virus, das meist durch sexuellen Kontakt im jungen Erwachsenenalter übertragen wird. Bestimmte HPV-Typen (vor allem HPV16) können Jahre später Krebs verursachen. Im HNO-Bereich betrifft das vor allem Tumore des Rachenraums (z. B. Mandeln). Diese HPV-bedingten Tumoren nehmen seit Jahren deutlich zu und unterscheiden sich von Tumoren, die durch Rauchen oder Alkohol entstehen. Sie sprechen oft besser auf die Behandlung an. In vielen westlichen Ländern werden heute über die Hälfte der Rachentumoren durch HPV verursacht. Junge erwerben oft die Infektionen und erkranken später im mittleren Alter an Krebs, auch Menschen, die nie geraucht haben. Männer sind insgesamt häufiger betroffen als Frauen. Isabella Stanisz, Fachärztin an der Universitätsklinik für HNO, MedUni Wien, wird einen Vortrag über HPV und HNO halten.
In Österreich ist die HPV-Impfung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis zum 30. Geburtstag Teil des kostenfreien Impfprogramms, mit einer befristeten Gratis-Nachholaktion für 21- bis 30-Jährige bis Mitte 2026. Wer also seine erste HPV-Impfung schon hat und die zweite noch braucht, kann sie sich noch bis zum 30. Juni 2026 gratis holen.
Mikro- und Nanoplastikpartikel (MNPs) sind mittlerweile allgegenwärtig und gelangen über Nahrung, Wasser und Luft in den menschlichen Körper. In den letzten Jahren konnte das Forschungsteam um Lukas Kenner zeigen, dass diese Partikel nicht nur in menschlichen Geweben nachweisbar sind, sondern auch biologisch relevante Effekte entfalten können. Ein entscheidender Fortschritt für die Krebs- und Umweltmedizin ist die Entwicklung neuer analytischer Methoden. Dadurch können Kunststoffpartikel direkt im Kontext von Entzündung, Gewebeschädigung und Tumorveränderungen analysiert werden – ohne Verlust der histologischen Struktur. Lukas Kenner, Klinisches Institut für Pathologie der MedUni Wien und des AKH Wien, wird am Vorsorgetag über Mikroplastik und Krebs informieren.