Der Einbeinstand wirkt wie eine harmlose Spielerei – dabei steckt viel mehr dahinter. Denn wer das Gleichgewicht halten kann, trainiert nicht nur seine Muskeln, sondern auch Reaktion, Koordination und Konzentration. Schon wenige Sekunden reichen, um dem Körper etwas Gutes zu tun – und gleichzeitig zu merken, wie "standfest" man wirklich ist.
Während Kinder oft ganz automatisch stabil stehen, verändert sich das mit den Jahren: Unsere Balance entwickelt sich meist bis etwa 9 oder 10 Jahren, erreicht ihren Höhepunkt ungefähr in den späten 30ern – und baut danach langsam ab. Deshalb lohnt es sich, das Gleichgewicht gelegentlich ganz bewusst zu trainieren.
Besonders ab 50 zeigt sich oft, wie gut dein Körper wirklich "mitarbeitet". Denn wer nur wenige Sekunden stabil stehen kann, hat häufig weniger Kraft in Beinen und Hüfte – und genau da beginnt ein Thema, das viele unterschätzen, nämlich der Muskelabbau.
Ab etwa 30 Jahren verlieren wir pro Jahrzehnt bis zu 8 Prozent Muskelmasse. Im hohen Alter kann das richtig relevant werden, unter anderem, weil weniger Muskulatur nicht nur schwächer macht, sondern auch die Bewegungssicherheit sinkt. Und genau die spiegelt sich im Einbeinstand ziemlich gnadenlos wider.
Die gute Nachricht: Schon das kurze Balancieren aktiviert wichtige Muskelgruppen, vor allem in den Beinen, der Hüfte und im Rumpf. Und wer regelmäßig trainiert, hält diese Bereiche länger stabil. Das wirkt sich nicht nur auf die Sportlichkeit aus, sondern auf ganz normale Dinge im Alltag: Treppen steigen, sicher gehen, schnell ausweichen, Stolpern abfangen. Kurz: Du wirst nicht nur stärker, du gehst auch sicherer.
Spannend ist dabei: Wie lange du auf einem Bein stehen kannst, gilt in der Medizin längst als einfacher, aber aussagekräftiger Gesundheitscheck. Eine Studie, veröffentlicht 2022 im British Journal of Sports Medicine, zeigte etwa: Wer den Einbeinstand zehn Sekunden nicht schafft, hatte in den folgenden Jahren ein deutlich höheres Risiko, früher zu sterben.
Und nicht nur das: Das Balance-Training fordert das Nervensystem und das Hirn, weil Augen, Innenohr und Körpergefühl ständig Informationen abgleichen müssen. Genau deshalb werden beim Balancieren auch Hirnbereiche aktiviert, die für Konzentration, Koordination und Entscheidungen wichtig sind. Studien deuten sogar darauf hin, dass der Einbeinstand die geistige Leistungsfähigkeit und das Arbeitsgedächtnis positiv beeinflussen kann.
Um den Einbeinstand zu üben, musst du nicht ins Fitnessstudio. Daheim kannst du nämlich nebenbei üben.
Ein Tipp: Probier es barfuß und mit Schuhen, weil sich das Gefühl für Stabilität unterscheidet. Auch wenn du am Anfang stark wackelst, ist es wichtig, dass du dranbleibst.