"Er ist wirklich ein Betrüger durch und durch", sagt Irmtraut M. (71) jetzt. Doch als sie Hans kennenlernte, war alles anders: Als galanter Gentlemen verdrehte Hans der pensionierten Zahnärztin aus Wien auf der Stelle den Kopf, gab sich als erfolgreicher Geschäftsmann aus und zog schon nach zwei Monaten Beziehung bei ihr ein.
"Ich war schnell von ihm fasziniert, weil er so viel gewusst hat", gibt die Medizinerin zu. Sie macht sich schwere Vorwürfe, damals "zu wenig hinterfragt zu haben". Denn ihr vermeintlicher Mann von Welt war tatsächlich gelernter Koch und ein hochkrimineller Hochstapler.
Rasch drängte er die Pensionistin zur Eröffnung einer neuen Schönheitsklinik. Großspurig versprach er, sie durch seine Verbindungen zur "reichsten Frau Österreichs" zu machen. Zeitgleich spielte er sich als Geschäftsführer auf, verprasste zumindest 200.000 Euro: "Er stellte Personal an, schrieb Rezepte und gab mein Geld aus."
Als die "Geschäftsreisen" des Gatten immer häufiger und länger wurden („ich wurde immer depressiver, er war immer mehr weg“), schenkte er ihr Hündchen "Picasso". Der kleine Chihuahua musste ihr seither viel Trost spenden. Denn: Ein Privatdetektiv spürte den Heiratsschwindler in Polen mit einer anderen Frau auf. Bei seiner Festnahme um 7 Uhr früh hatte er Pass, 5.000 Euro in bar und alle Dokumente griffbereit.
Beim Prozess wegen schweren Betrugs in Graz im Herbst 2019 tauchte der Verdächtige plötzlich unter – seither fehlt von ihm jede Spur. Am Freitag um 21.15 Uhr bricht das Betrugsopfer in "Akte Betrug" auf ORF 2 sein Schweigen, will die miesen Methoden des "Love Scam" sichtbar machen. "Viele Frauen genieren sich. Doch statt sich zu schämen, sollte man Hilfe holen oder mit jemandem reden", betont M. und hofft auf späte Gerechtigkeit in ihrem Fall.