Was wie ein harmloser Flirt startet, wird für viele Jugendliche binnen Sekunden zum Albtraum: Ein intimes Foto wird verschickt – kurz darauf kommt die Drohung. "Zahl – oder wir stellen alles online!" Die Täter setzen auf Angst, Scham und Druck. Und genau diese perfide Masche war 2025 laut Rat auf Draht auf Instagram besonders häufig Thema.
Denn: 174 Meldungen zu rechtswidrigen Inhalten auf TikTok, Instagram, Discord & Co. sind im vergangenen Jahr bei Rat auf Draht eingegangen – im Schnitt jeden zweiten Tag. Seit Anfang 2025 hat Rat auf Draht den Status als Trusted Flagger: Als "vertrauenswürdiger Hinweisgeber" können illegale Inhalte im Rahmen des Digital Service Act (DSA) gemeldet werden – Online-Plattformen müssen diese Hinweise bevorzugt behandeln.
Vor allem Instagram sticht heraus: Dort war Erpressung mit Nacktbildern das häufigste Thema – 16 Meldungen betrafen diese Form von psychischem Terror. Viele Jugendliche seien laut Rat auf Draht verunsichert und überfordert, weil sie nicht wissen, ob sie zur Polizei gehen sollen – oder ob sie überhaupt noch Kontrolle über die Bilder haben.
"Rechtswidrige Online-Inhalte können für Betroffene mit starkem Leidensdruck und psychischer Belastung einhergehen. Daher ist es uns ein wichtiges Anliegen, die Kinder und Jugendlichen im Rahmen der Anfragen auch auf die Möglichkeit einer begleitenden Unterstützung durch unsere Beratungsangebote hinzuweisen", sagt Birgit Satke, Leiterin des Beratungsteams von Rat auf Draht.
Die Meldungen zeigen auch: Je nach Plattform treten unterschiedliche Delikte in den Vordergrund. Die meisten Hinweise betrafen TikTok (24), Instagram (17) und Discord (15).
Auf TikTok ging es am häufigsten um Gewaltverherrlichung – hier wurden 17 Inhalte gemeldet. Auf Discord wiederum war der Schwerpunkt besonders verstörend: Dort gab es 9 Meldungen zu Missbrauchsdarstellungen von Minderjährigen.
Von den 174 Meldungen wurden 64 Inhalte als rechtswidrig eingestuft und bei den jeweiligen Plattformen gemeldet. In vielen Fällen konnte Rat auf Draht erreichen, dass die Inhalte entfernt werden.
Brisant: Einige Jugendliche berichteten, dass sie problematische Inhalte zuvor selbst bei den Plattformen gemeldet hatten – ohne Wirkung. Erst durch den Trusted-Flagger-Kanal kam Bewegung hinein.
"Einige Melder:innen teilten uns mit, dass sie bereits selbst versucht hatten, die Online-Inhalte bei der Plattform zu melden, jedoch ohne Erfolg. Als Trusted Flagger konnten wir in vielen dieser Fälle dann doch eine Entfernung erwirken. Dies zeigt, dass die meisten Plattformen die Tätigkeit der Trusted Flagger ernst nehmen. Aber auch, dass viele User:innen auf die Unterstützung der Trusted Flagger angewiesen sind", so Satke.
Ein weiteres Problem: Viele junge Nutzer sind unsicher, ob ein Inhalt tatsächlich rechtswidrig ist – oder "nur" gegen die Regeln der Plattform verstößt. Gleichzeitig seien die Meldesysteme laut Rat auf Draht oft so kompliziert gebaut, dass Jugendliche schnell aufgeben. Satke kritisiert: Manche Plattformen würden im Meldeprozess sogar erwarten, dass User ein konkretes Gesetz auswählen, gegen das der Inhalt verstößt. Für Kinder und Jugendliche sei das oft eine unüberwindbare Hürde.
Mit dem Digital Service Act gibt es nun eine europaweite Verpflichtung: Online-Plattformen müssen auf Meldungen der Trusted Flagger zeitnah reagieren und über Maßnahmen informieren. Das soll helfen, illegale Inhalte schneller aus dem Netz zu bekommen – und Betroffene nicht allein zu lassen.