Der Winter ist im Grunde ein ständiger Kampf gegen Erkältungen, Grippe, Noroviren und andere Krankheitserreger. Zwei unserer wichtigsten Waffen in diesem Kampf sind Seife und Desinfektionsmittel. Doch wann sollten wir sie einsetzen? Kann Desinfektionsmittel Seife überhaupt ersetzen?
Der Hauptbestandteil der meisten Handdesinfektionsmittel ist Alkohol, und zwar in großen Mengen. Damit es Keime zuverlässig abtötet, sollte es einen Alkoholgehalt zwischen 60 und 95 Prozent haben. Es gibt auch alkoholfreie Desinfektionsmittel mit antimikrobiellen Wirkstoffen, diese werden aber eher im Gesundheitswesen eingesetzt. Für den täglichen Gebrauch ist ein Alkoholgehalt von 60 Prozent optimal.
Eine Studie aus dem Jahr 2020 hat eingehend untersucht, wie Handdesinfektionsmittel gegen verschiedene Krankheitserreger wirken. Bei Bakterien wirkt Alkohol, indem er deren Membranen (Hülle) schädigt oder zelluläre Prozesse wie die Proteinsynthese stört. "Wasser ist […] entscheidend für die Proteindenaturierung", heißt es in der Studie. Deshalb muss der Alkohol zumindest leicht verdünnt werden. Es reicht nicht, einfach 100-prozentiges Ethanol auf die Hände zu schmieren.
Alkohol greift bekanntermaßen die äußere Schutzhülle von Viren an. Ist diese nicht intakt, sind die lebenswichtigen inneren Strukturen und das genetische Material im Viruspartikel angreifbar, und das Virus kann sich nicht vermehren.
Problem: Nicht alle Viren sind umhüllt. SARS-CoV-2 ist es, weshalb Desinfektionsmittel die Übertragung von COVID-19 über Oberflächen recht gut verhindern können. Noroviren, die verheerende Brechdurchfälle verursachen, sind es hingegen beispielsweise nicht. Bei nicht umhüllten Viren muss daher auf eine altbewährte Methode zurückgegriffen werden: die gute, altmodische Seife und Wasser.
Das Waschen mit Seife und Wasser kann als ein mehrgleisiger Angriff auf Keime betrachtet werden. Wie UCI Health erklärt, "sind Seifenmoleküle selbst sehr wirksam bei der Zerstörung der Oberflächenmembranen einiger Bakterien und Viren […]. Außerdem erzeugt das Einseifen der Hände und gründliches Schrubben Reibung, die dazu beiträgt, Schmutz, Fett und Mikroben unter fließendem Wasser zu lösen und abzuwaschen."
Seifenmoleküle bestehen aus einem hydrophilen – also wasserliebenden – Kopf und einem hydrophoben Schwanz, der sich bevorzugt mit Ölen und Fetten verbindet. Beim Händewaschen umschließen diese Moleküle eventuell vorhandene Mikroben auf der Haut. Die hydrophoben Teile von Seifenmolekülen versuchen alles, um Wasser zu meiden. Bei umhüllten Mikroben scheint sich das so zu äußern, als würden sich die Seifenmoleküle in die Hülle einklemmen und diese dadurch zerstören.
Das Einseifen unserer Hände ist also ein brutales Todesurteil für Viren und Bakterien. "Seifenmoleküle wirken wie Brecheisen und destabilisieren das gesamte System", so Professor Pall Thordarson von der University of New South Wales gegenüber der Yale School of Medicine. Gleichzeitig lösen die Moleküle die Bindungen, die Mikroben an unsere Haut binden, sodass diese abgewaschen werden können.
Alle Seifen funktionieren nach diesem Prinzip – man braucht keine teuren Produkte mit zusätzlichen "antibakteriellen" Inhaltsstoffen. Seifen und Seifenersatzprodukte mit Inhaltsstoffen wie Benzalkoniumchlorid können in manchen medizinischen Bereichen notwendig sein oder zur Behandlung bestimmter dermatologischer Erkrankungen verschrieben werden. Für das normale Händewaschen reicht jedoch jede handelsübliche Seife aus der Drogerie oder dem Supermarkt – egal ob Stück- oder Flüssigseife.
Es gibt eigentlich keinen Ersatz für Seife und Wasser. Wenn kein fließendes Wasser oder keine Seife zur Verfügung stehen, ist Händedesinfektionsmittel besser als gar nichts – aber Seife ist günstig, einfach anzuwenden und wirksamer als jede noch so ausgefeilte Hightech-Lösung, die die Menschheit bisher entwickelt hat.
Wie oben erklärt, sind Händedesinfektionsmittel hauptsächlich gegen behüllte Krankheitserreger wirksam, Seife hingegen wirkt gegen alle. Außerdem entfernt Seife effektiv sichtbaren Schmutz. Desinfektionsmittel sind weniger wirksam, wenn die Hände sichtbar verschmutzt sind.
Eine Einschränkung gibt es jedoch: Es ist wichtig, dass du beim Händewaschen die richtige Technik anwendest, um die Seife optimal zu nutzen. Man sollte mindestens 20 Sekunden lang gründlich schrubben – bei jeder Handwäsche. Und nicht aufs Abtrocknen vergessen: "Feuchte Hände nehmen viel eher Mikroben von Oberflächen auf", schrieb Joe Schwarcz, PhD, für das McGill University Office for Science and Society.
Regelmäßiges Händewaschen ist eine der wirksamsten Methoden, die Ausbreitung vieler Infektionen und Krankheiten zu Hause, in der Schule und anderswo zu verhindern. Es ist einfach und wirksam.