Low-Carb-Diäten gelten seit Jahren als Turbo gegen Übergewicht. Weniger Brot, weniger Zucker, weniger Pasta. Das zeigt sich durch eine Reduzierung des Gewichts und der Entzündungen im Körper. Doch neue Erkenntnisse zeigen: Der wahre Schauplatz dieser Diäten liegt nicht auf dem Teller, sondern tief im Darm. Das ergab eine Studie der Sport-Universität in Shandong, China.
Im Darm lebt das Mikrobiom, ein komplexes Ökosystem aus Billionen Bakterien, das maßgeblich beeinflusst, wie wir Nährstoffe verwerten, Fett speichern und sogar wie hungrig wir uns fühlen oder wie gut unser Immunsystem funktioniert.
Kurzfristig wirkt Low Carb bei Menschen mit Adipositas tatsächlich. Bestimmte Entzündungsmarker und das Gewicht nehmen ab. Gleichzeitig werden Stoffwechselprozesse aktiviert, die beim Abnehmen helfen können. Der Körper schaltet auf Fettverbrennung, der Blutzucker bleibt stabiler, Heißhungerattacken lassen nach.
Langfristig wird es aber komplizierter. Wird die Kohlenhydratzufuhr stark und dauerhaft reduziert, fehlen dem Darm wichtige Ballaststoffe.
Genau jene Nahrung, die viele "gute" Bakterien brauchen, um gesund zu bleiben. Die Folge: Die bakterielle Vielfalt nimmt ab. Und ein monotones Mikrobiom gilt inzwischen als Risikofaktor für chronische Entzündungen, Insulinresistenz und sogar erneute Gewichtszunahme. Besonders, wenn die kohlenhydratreduzierte Ernährung wieder zurückgefahren wird.
Low Carb ist nicht gleich Low Carb!
Besonders heikel: Nicht jede Low-Carb-Diät ist gleich. Während eine ausgewogene Variante mit viel Gemüse, Nüssen und fermentierten Lebensmitteln dem Darm weniger schadet, können extrem kohlenhydratarme Programme das Mikrobiom regelrecht aushungern.
Die neue Botschaft aus der Forschung ist deshalb überraschend nüchtern: Abnehmen funktioniert nicht gegen den Darm, sondern nur mit ihm. Wer Low Carb nutzt, sollte nicht nur Kalorien zählen, sondern auch Vielfalt essen. Sonst wird der kurzfristige Erfolg langfristig teuer bezahlt.