Was lange als merkwürdige oder gar peinliche Angewohnheit galt, wird inzwischen wissenschaftlich ernst genommen: Unsere innere Stimme beeinflusst nicht nur, wie wir denken, sondern auch, wie wir körperlich und mental reagieren. Gleich mehrere Studien zeigen, dass das bewusste positive Reden mit sich selbst gesundheitliche Vorteile bringen kann – wenn auch nicht als Allheilmittel, sondern als Teil eines gesunden Denkstils.
Psychologische Forschung legt nahe, dass das Gehirn bei jedem gesprochenen oder gedachten Wort beteiligt ist – positiv wie negativ. Negative Selbstgespräche aktivieren Stressreaktionen und können, laut Studien, erhöhte Cortisol-Werte auslösen, ein Stresshormon, das langfristig unter anderem Blutdruck und Gewicht beeinflusst. Dagegen kann positiver Dialog im Kopf Glücks- und Belohnungssysteme aktivieren, die Botenstoffe wie Dopamin freisetzen und so ein Gefühl von Wohlbefinden unterstützen.
Eine aktuelle Studie zeigt, dass optimistische Erwartungen das Belohnungssystem im Gehirn stimulieren und damit die Aktivität bestimmter Hirnregionen erhöhen können. Diese Aktivierung ging in der Untersuchung mit einer stärker ausgeprägten Immunreaktion nach einer Impfung einher – ein Hinweis darauf, dass positive mentale Strategien körperliche Abwehrprozesse beeinflussen könnten.
Nicht nur das Denken, sondern auch das laute Aussprechen positiver Aussagen kann Effekte haben. Studien zur Wirkung von Affirmationen zeigen, dass sie Selbstwirksamkeit, Wohlbefinden und Selbstwertgefühl verbessern können, wenn sie regelmäßig und bewusst eingesetzt werden. Besonders dann, wenn Menschen gelernt haben, in der zweiten Person mit sich selbst zu sprechen, steigt die Fähigkeit zur Emotionsregulation und Stressbewältigung.
Wissenschaftler warnen zugleich vor überhöhten Erwartungen: Positive Selbstgespräche allein sind kein Ersatz für medizinische Behandlung, Psychotherapie oder gesunde Lebensführung. Die langfristigen Effekte sind noch nicht umfassend erforscht, und die Ergebnisse variieren zwischen Individuen je nach Persönlichkeit und Kontext.