Acht Stunden im Büro, danach noch auf der Couch chillen – wer viel sitzt, bekommt oft ein schlechtes Gewissen. Schließlich warnen Studien seit Jahren davor, dass langes Sitzen krank machen kann: von psychischen Problemen bis hin zu einer verkürzten Lebenserwartung. Neue Forschung zeigt aber nun: Offenbar ist Sitzen nicht gleich Sitzen – und für unser Gehirn kann es sogar einen Unterschied machen, wie wir dabei unsere Zeit verbringen.
Eine aktuelle Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen Sitzverhalten und geistiger Gesundheit. Dafür werteten Forscher Daten aus 85 Studien mit insgesamt über 1,5 Millionen Menschen aus. Der entscheidende Punkt: Sie unterschieden zwischen "aktivem" und "passivem" Sitzen – und das mit erstaunlichen Ergebnissen.
Während passives Sitzen etwa beim Fernsehen stattfand, zählten zu aktivem Sitzen geistig fordernde Tätigkeiten wie Lesen, Rätsel lösen, Kartenspielen oder Arbeit am PC. Und genau hier zeigte sich ein klarer Unterschied.
Menschen, die viel aktiv sitzten, wiesen eine bessere kognitive Gesundheit auf. Dazu zählten Funktionen wie Gedächtnis, Konzentration und sogenannte exekutive Fähigkeiten – also Planung, Problemlösung und Entscheidungsfindung. Gleichzeitig war bei ihnen das Risiko für kognitiven Abbau und Alzheimer geringer.
"Die wichtigste Botschaft ist: Nicht jedes Sitzen ist gleich", verrät US-Neuropsychologe Davide Cappon gegenüber "Self". Entscheidend sei, ob das Gehirn dabei gefordert werde oder nicht.
Das Hirn lebe von Aktivität und Austausch, erklärt Kinga Szigeti, Neurologin der University Buffalo, im "Self"-Interview. Gehirnzellen seien schlicht gesünder, wenn sie arbeiten dürfen. Der Unterschied zwischen aktivem und passivem Sitzen liege darin, wie stark das Gehirn beansprucht werde.
Die Ergebnisse sind vor allem für Menschen mit Bürojob relevant: Entscheidend ist nicht nur, dass man sitzt, sondern was man dabei tut. Wer geistig anspruchsvoll arbeitet, Probleme löst oder Neues lernt, unterstützt seine kognitive Gesundheit eher als jemand, der monotone Tätigkeiten ohne Denkaufwand ausführt.
Aber auch bei repetitiven Jobs gibt es Spielraum: Zählen, bewusstes Mitdenken oder Gespräche mit Kollegen können helfen, das Gehirn stärker einzubinden.