In Bangladesch ist eine Frau nach einer Infektion mit dem gefährlichen Nipah-Virus (NiV) gestorben. Das bestätigte die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Patientin hatte erstmals am 21. Jänner über grippeähnliche Symptome, wie Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe und Erbrechen, geklagt. Eine Woche später verstarb sie an den schweren neurologischen Folgen - ein Verlauf, der bei Nipah-Infektionen nicht ungewöhnlich ist.
Erst wenigen Wochen davor war es zu einem Ausbruch im benachbarten Indien gekommen. In West Bengal hatten sich zwei Krankenhausmitarbeiter infiziert. Diese Fälle hatten internationale Aufmerksamkeit erregt und zu verstärkten Kontrollen an Flughäfen in mehreren asiatischen Ländern geführt.
Eine Reisehistorie hatte die Patientin aus Bangladesch jedoch nicht. Vermutlich habe sie sich durch den Konsum von rohem Dattelpalmensaft infiziert, der mit dem Speichel oder Urin infizierter Flughunde kontaminiert war.
Das Nipah-Virus gehört zur Familie der Henipaviren und gilt als einer der gefährlichsten bekannten Krankheitserreger: Es kann schwere Atemwegsbeschwerden und eine lebensbedrohliche Gehirnentzündung (Enzephalitis) verursachen. Die Sterblichkeitsrate schwankt je nach Ausbruch zwischen etwa 50 und 75 Prozent.
Die WHO betonte, dass trotz der Todesfälle und bestätigten Infektionen bisher keine signifikante Weiterverbreitung festgestellt wurde und der internationale Risikograd "niedrig" eingeschätzt wird. Reise- oder Handelsbeschränkungen werden derzeit nicht empfohlen.
Doch die tödliche Natur des Virus bereitet Gesundheitsexperten rund um den Globus Sorgen. Der österreichische Virologe Florian Krammer, betonte in seinem Podcast viroLOGISCH, wie ernst die Lage sein könnte, sollte sich der Erreger weiter verändern.
„Das Nipah-Virus könnte mutieren und dann deutlich leichter von Mensch zu Mensch übertragen werden.“
"Es ist mein Albtraum-Virus", so der Experte. Und weiter: "Das Nipah-Virus könnte mutieren und dann deutlich leichter von Mensch zu Mensch übertragen werden – und genau das wäre besonders gefährlich."
Das Virus wird vor allem durch engen Kontakt mit kontaminierten Körperflüssigkeiten oder durch Lebensmittel übertragen, die mit Speichel oder Urin infizierter Flughunde verunreinigt sind – in Bangladesch häufig über rohen Dattelpalmensaft. Eine direkte Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist zwar selten, aber möglich und wurde bereits in früheren Ausbrüchen dokumentiert.
Ein Impfstoff oder gezielte Therapie existiert bislang nicht, auch wenn internationale Forschungsgruppen an Impfstoffkandidaten arbeiten, was in klinischen Studien bereits begonnen wurde.