Aktuell sind laut Behörden fünf bestätigte Fälle bekannt. Trotzdem herrscht in ganz Asien Alarmstimmung. Auch Thailand, Nepal und Taiwan haben bereits reagiert und ihre Schutzmaßnahmen verstärkt – wie "20 Minuten" berichtet.
An den wichtigsten Flughäfen in Thailand wurden die Gesundheitskontrollen verschärft. Wie bei Corona werden Passagiere auf Fieber und andere Symptome überwacht, die auf das Nipahvirus hindeuten könnten. Zusätzlich bekommen Reisende Informationskarten, damit sie wissen, was im Krankheitsfall zu tun ist. Am Flughafen Phuket gibt es außerdem mehr Reinigungs- und Seuchenschutzmaßnahmen.
Nein, denn das Nipahvirus gilt als sehr gefährlich. Laut der EU-Behörde für Krankheitsvorsorge (ECDC) liegt die Sterblichkeit zwischen 40 und 75 Prozent – je nach Virusstamm. Einen Impfstoff oder spezielle Medikamente gibt es nicht. Das Virus gehört zur Familie der Paramyxoviridae, zu der auch die Erreger von Masern, Mumps und Parainfluenza zählen.
Wie schwer die Krankheit verläuft, ist unterschiedlich. Manche zeigen überhaupt keine Symptome. Häufig beginnt es mit Fieber, Kopfweh, Husten und Schnupfen – also ähnlich wie bei einer Grippe.
In schweren Fällen kann es zu Lungenentzündung, Muskelzucken, Zittern oder zu einer gefährlichen und oft tödlichen Gehirnentzündung (Nipahvirus-Enzephalitis) kommen. Auch neurologische Beschwerden wie Verwirrtheit, Krampfanfälle oder Koma sind möglich – meist einige Tage bis Wochen nach den ersten Beschwerden.
Die US-Behörde CDC gibt an, dass die Inkubationszeit meist zwischen vier und 21 Tagen liegt.
Das Nipahvirus wird vor allem durch Flughunde der Art Pteropus, Fledermäuse oder Schweine auf den Menschen übertragen. Auch über verunreinigte Lebensmittel kann man sich anstecken.
Im Jahr 2023 kam es in Indien zu einem ähnlichen Ausbruch. Die Genfer Virologin Isabella Eckerle erinnerte damals an einen Vorfall in Bangladesch 2001: "Die dortigen Dattelpalmen werden angeritzt, und über Nacht der süße Sirup in Tongefäßen gesammelt. Leider schmeckt der nicht nur Menschen: Infrarot-Aufnahmen zeigten, dass auch die Flughunde nachts an den angeritzten Stämmen fressen und mit ihrem Urin den Saft kontaminieren."
Eckerle betont aber: Das Risiko für Reisende oder eine internationale Ausbreitung sei "extrem gering und sehr unwahrscheinlich." Sie rät, in den betroffenen Regionen keinen Palmsaft zu trinken. Auch die thailändischen Behörden empfehlen: "Nicht jagen, nicht sammeln, nicht essen." Die indischen Gesundheitsbehörden geben ähnliche Tipps, um das Risiko einer Infektion möglichst gering zu halten.
Ja, das ist möglich, aber nicht einfach. Für eine Übertragung braucht es engen Kontakt, zum Beispiel bei der Pflege von Erkrankten im selben Haushalt oder im Spital, wie Eckerle erklärt. Auch in dicht besiedelten Regionen kann es zu Ausbrüchen kommen.
Bis jetzt wurde das Virus nur in Asien nachgewiesen – etwa in Singapur, Malaysia und Bangladesch. Entdeckt wurde es 1999 nach einem Ausbruch bei Schweinehaltern in Malaysia und Singapur. Damals kam es zu Gehirnentzündungen und Atemwegserkrankungen, was zur Erkenntnis führte, dass das Nipahvirus ein ernstzunehmender Erreger ist, der von Tieren auf Menschen überspringen kann.