Unglaubliche Szenen auf den Philippinen. Am helllichten Tag steigen zwei Auftragskiller aus einem weißen Minivan. Ohne zu zögern geht einer von ihnen auf die Knie, um seine mitgeführte Panzerfaust zu schultern, während der zweite mit einem Sturmgewehr das Fahrzeug verlässt. So geschehen am vergangenen Sonntag in der Kleinstadt Shariff Aguak (ca. 35.000 Einwohner) auf der südlichen Insel Mindanao.
Ihr Ziel: Der Bürgermeister. Das Motiv? Unklar. Bürgermeister Akmad Mitra Ampatuan hat zwar eine Vermutung, behält sie aber lieber für sich. "Ich habe einige Vermutungen, wer mich töten wollen könnte, aber ich kann die Identität oder die Motive der Angreifer nicht bestätigen", zitiert ihn die philippinische Nachrichtenagentur PNA. Die Polizei leitete Ermittlungen ein.
Es sei bereits der vierte Attentatsversuch auf ihn in den letzten 15 Jahren gewesen – nach gescheiterten Versuchen 2010, 2014 und 2019, wie die "dailymail" berichtet. Daher ist der "Überlebenskünstler" nur noch mit Begleitschutz unterwegs – und in einem gepanzerten Fahrzeug.
Trotzdem ist der Langzeitbürgermeister über die Heftigkeit des Angriffs überrascht: "Eine Panzerfaust ist keine Waffe, die ein normaler Mensch benutzen würde. Das war ein professionelles Verbrechen".
Dass der SUV gepanzert war, rettete ihm wohl das Leben, wie die Aufnahmen von Überwachungskameras vermuten lassen. Denn nach dem Abfeuern des Explosivgeschosses ging das Fahrzeug in einem Feuerball auf – konnte aber mit platten Reifen und schweren Schäden trotzdem die Fahrt fortsetzen. Währenddessen feuerte der zweite Attentäter Maschinengewehrsalven in Richtung des SUVs. Dessen ungeachtet entkam der Bürgermeister scheinbar unverletzt, während zwei Sicherheitsleute Blessuren erlitten.
Die beiden Angreifer und ihr Fahrer wurden danach von Sicherheitskräften in einem Feuergefecht getötet. Auf Fotos vom Tatort ist der Suzuki-Minivan mit zahlreichen Einschusslöchern zu erkennen. Ein laut Polizei vierter Beteiligter sei noch auf der Flucht. Der örtliche Polizeichef wurde während der Untersuchungen vom Dienst suspendiert, bis seine Rolle in dem mutmaßlichen "Racheakt" am Bürgermeister geklärt ist. Die Nationalpolizei (PNP) übernahm die Ermittlungen.
Auf den rund 110 Millionen Einwohner zählenden Inseln der Philippinen gibt es zahlreiche Konflikte. Einerseits die Drogenkriminalität, wobei sowohl die Kriminellen als auch die Polizei vor keiner Grausamkeit zurückschrecken.
Als 2016 Rodrigo Duterte zum Präsidenten des Landes gewählt wurde, rief er in seiner ersten Rede seine Landsleute dazu auf, Drogenhändler und Drogensüchtige zu töten – was seither auch tausendfach geschah. Duterte war bis 2022 Präsident. Im März 2025 wurde er in der Landeshauptstadt Manila aufgrund eines internationalen Haftbefehls festgenommen und ins niederländische Den Haag gebracht. Am dort ansässigen Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) soll ihm wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit der Prozess gemacht werden.
Andererseits gibt es in dem mehrheitlich katholischen Land (über 80 %) auch bewaffnete Unabhängigkeitsbewegungen, etwa in den muslimischen Landesteilen. Welchen Hintergrund das hier geschilderte Verbrechen hat, bleibt vorerst unklar. Laut Ortskundigen soll es sich jedoch um Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Clans über die Macht in der Region handeln.