Über 90 % der Cannabis-Importe

USA überschwemmen Europa mit billigen Drogen

Tonnenweise Cannabis aus den USA landen mittlerweile per Post in Europa. Zollbeamte sprechen von einer regelrechten Schwemme – und schlagen Alarm.
Nick Wolfinger
27.01.2026, 13:39
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Während die USA einen zwar brutalen, aber nahezu wirkungslosen "Krieg gegen Drogen" führen, stiegen sie in den letzten Jahren still und heimlich zu einem großen Player auf dem internationalen Marihuana-Markt auf. Vor allem das kaufkräftige Europa wurde zum Hauptziel der illegalen Cannabis-Exporte aus den USA, wie Zollstatistiken aus der EU zeigen.

Cannabis-Boom in Nordamerika

Seit der Legalisierung der berauschenden Pflanze in Kanada im Jahr 2018 haben auch immer mehr US-Bundesstaaten den Anbau und Konsum von Cannabis legalisiert. Seither ist die Zahl der Cannabis-Plantagen regelrecht explodiert. Durch die massive Angebotssteigerung brachen die Handelspreise in den USA ein. Die "Farmer" suchten nach neuen Märkten - und fanden sie in Europa.

Zollbehörden schlagen Alarm

Am Flughafen Köln-Bonn, der eines der wichtigsten Drehkreuze im Land für Luftfracht ist, kommen jede Nacht 700.000 Pakete aus den USA an, wie die deutsche "Bild" berichtet. Den Zollbeamten und Drogenfahndern ist es trotz gut ausgebildeter Spürhunde nicht möglich, jedes einzelne davon zu kontrollieren.

„Es ist offensichtlich, dass der Anteil von Cannabis aus Nordamerika auf dem euro­päischen Markt jetzt erheblich ist“
Robert PătrăncuşEuropäische Drogenbehörde (EUDA)

Die Cannabis-Sendungen sind dabei nicht einmal besonders gut getarnt. Sie sind luftdicht in Plastik eingeschweißt und etwa mit Senf oder Curry beschmiert, um den Geruch zu überdecken, schreibt die "Bild"-Zeitung online. Deklariert werden die kleinen Sendungen etwa als Jeans, Dekoration oder auch WC-Steine.

Beschlagnahmungen vervielfacht

Und obwohl die Zahl der kontrollierten Pakete aufgrund begrenzter Personalressourcen im Großen und Ganzen unverändert blieb, vervielfachte sich die Menge der beschlagnahmten Drogen in Köln/Bonn. 2022 wurde erstmals über eine Tonne Cannabis beschlagnahmt. 2023 waren es über zwei Tonnen, 2024 vier Tonnen und 2025 unglaubliche zehn Tonnen – wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet. Der springende Punkt dabei: 90 bis 95 % kamen aus den USA!

201 Tonnen Cannabis pro Jahr

Ähnliche Zahlen gibt es auch aus Belgien. Dort wurden im Vorjahr 21 Tonnen Cannabis beschlagnahmt. Der niederländische Zoll meldet 65 Tonnen – "überwiegend aus Nordamerika", wie die FAZ betont. Die letzten Zahlen für die gesamte EU stammen von 2023, als 201 Tonnen Marihuana beschlagnahmt wurden. Und das sind nur die Mengen, die entdeckt wurden. Wie hoch die Dunkelziffer ist, darüber lässt sich nur spekulieren.

Fakt ist aber auch, dass diese Drogen nicht nur in Belgien, Holland oder Deutschland bleiben. Sie werden in der Zollfreizone EU weiterverteilt. Hauptgrund für die Marihuana-Schwemme aus Nordamerika ist laut "Bild", dass die Großhandelspreise in Nordamerika um bis zu zwei Drittel unter jenen in Europa liegen.

Fiskus geht leer aus

Dadurch lohnt sich sogar der teure Versand per Luftfracht. Freilich kommen große Mengen der kaum verderblichen Ware, wie sich in den Zahlen aus den Niederlanden ablesen lässt, auch per Container auf dem Seeweg. Ein Milliardengeschäft, an dem der Fiskus keinen Cent verdient. Ganz im Gegenteil kosten die ständigen Kontrollen an den Flug- und Seehäfen jede Menge (Steuer-)Geld.

"Es ist offensichtlich, dass der Anteil von Cannabis aus Nordamerika auf dem europäischen Markt jetzt erheblich ist", erklärte Robert Pătrăncuş, wissenschaftlicher Analyst der Europäischen Drogenbehörde (EUDA), in der FAZ. Dabei würde in Europa eigentlich "ausreichend Cannabis für den heimischen Markt produziert", so der Experte.

US-Gras ist stärker

Die Agentur warnt auch vor gesundheitlichen Folgen: Während europäisches Cannabis laut EUDA im Schnitt zehn bis zwölf Prozent THC enthält, liegt der Wirkstoffgehalt von kalifornischem Gras oft über 20 Prozent. Doch die hohen Gewinnspannen haben Europa zu einem lukrativen Absatzmarkt für US-Produzenten gemacht. Was letztlich beim Verbraucher landet, wird nicht kontrolliert.

{title && {title} } NW, {title && {title} } Akt. 27.01.2026, 15:07, 27.01.2026, 13:39
Jetzt E-Paper lesen