Im Iran sind bei den gewaltsam niedergeschlagenen Protesten laut aktuellen Angaben von Aktivisten schon mehr als 6.000 Menschen ums Leben gekommen. Die Organisation Human Rights Activists News Agency (HRANA) mit Sitz in den USA gab am Dienstag bekannt, dass sie Bestätigungen für den Tod von 6.126 Menschen habe. Laut HRANA sind darunter 5.777 Demonstranten. Unter den Getöteten befinden sich außerdem 86 Minderjährige, 214 Angehörige der Sicherheitskräfte und 49 Unbeteiligte.
Die NGO, die auf ein großes Netz von Informanten im Iran zurückgreifen kann, betonte, dass sie noch mehr als 17.000 weitere mögliche Todesfälle prüfe. Im Zuge der Proteste wurden mindestens 41.880 Menschen festgenommen. Die Organisation kritisierte "die Fortsetzung der Kommunikationskontrollpolitik und die anhaltende Verhaftungswelle" und zeigte sich immer besorgter um die Sicherheit der medizinischen Einrichtungen für Verletzte.
Aktivisten werfen den iranischen Behörden vor, Spitäler zu durchsuchen, um verletzte Demonstranten zu finden und festzunehmen. Das Gesundheitsministerium in Teheran erklärte hingegen, dass sich alle Menschen ohne Angst in Spitälern behandeln lassen und nicht daheim selbst versorgen sollten.
"Die Sicherheitsbehörden verfolgen weiterhin einen Ansatz, der sich auf Massenverhaftungen, Einschüchterung und Kontrolle der Berichterstattung konzentriert", erklärte HRANA. Die Berichte über Festnahmen in Spitälern hätten "neue Bedenken hinsichtlich des Rechts auf Zugang zu medizinischer Versorgung ausgelöst".
Die Proteste im Iran begannen am 28. Dezember. Auslöser war die schlechte wirtschaftliche Lage. Daraus entwickelte sich rasch eine breite Bewegung gegen die religiöse und politische Führung des Landes.
Die iranischen Behörden meldeten vergangene Woche insgesamt 3.117 Tote bei den Protesten. Die meisten davon seien laut offiziellen Angaben Angehörige der Sicherheitskräfte und unbeteiligte Passanten, die von "Randalierern" getötet worden seien.
Eine weitere Menschenrechtsorganisation, Iran Human Rights (IHR) mit Sitz in Norwegen, spricht von 3.428 Demonstranten, die nachweislich von iranischen Sicherheitskräften getötet wurden. Die Dunkelziffer dürfte aber deutlich höher sein und könnte bei bis zu 25.000 Toten liegen. Am Wochenende berichtete der persischsprachige Auslandssender Iran International unter Berufung auf Berichte, Dokumente und Zeugen, dass zwischen 8. und 9. Jänner mehr als 36.500 Iraner von Sicherheitskräften getötet worden seien.