Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass der Sommer für die männliche Fruchtbarkeit eine besondere Rolle spielen könnte. Dabei geht es weniger um die Menge der Spermien – sondern um ihre Beweglichkeit. Genau diese ist entscheidend, wenn es darum geht, eine Eizelle zu erreichen. Ein internationales Forschungsteam aus Großbritannien, Kanada und Dänemark analysierte zwischen 2018 und 2024 die Spermaproben von mehr als 15.000 Männern.
Das Ergebnis: Während die Gesamtkonzentration der Spermien und das Ejakulatvolumen über das Jahr hinweg stabil blieben, zeigten sich deutliche saisonale Unterschiede bei der Geschwindigkeit der Spermien. Demnach nahm der Anteil der besonders schnellen Spermien im Frühjahr zu, erreichte zu Beginn des Sommers seinen Höhepunkt und fiel im Winter auf den niedrigsten Stand. Die Wissenschaftler betonen jedoch, dass dies nicht bedeutet, Männer seien nur im Sommer fruchtbar oder im Winter unfruchtbar. Die Spermienproduktion insgesamt blieb konstant – lediglich die Beweglichkeit schwankte.
Co-Autor Allan Pacey erklärte, dass nicht allein höhere Temperaturen für diese Unterschiede verantwortlich seien. Möglicherweise spielen auch Faktoren wie Tageslichtexposition oder andere jahreszeitliche Umweltveränderungen eine Rolle. Die Ergebnisse legen nahe, dass Lebensstil- und Umweltbedingungen stärker auf die Qualität der Spermien wirken könnten als bisher angenommen.
Für die Praxis könnte das künftig relevant sein: Pacey regt an, saisonale Schwankungen bei der Beurteilung der Spermienqualität stärker zu berücksichtigen. Denkbar sei, dass Fertilitätskliniken künftig jahreszeitliche Muster einbeziehen, um Paare mit Kinderwunsch gezielter zu beraten und zu behandeln.