Ein internationaler Fall sorgt für Aufsehen: Eine dänische Samenbank nutzte über Jahre das Sperma eines Spenders, der eine seltene Genmutation trägt, die das Krebsrisiko erhöhen kann. Erst nachdem fast 200 Kinder weltweit durch seine Spenden gezeugt worden waren, stellte sich heraus, dass der Mann Träger einer Mutation des Gens TP53 ist. Zuvor war eine erste Untersuchung 2020 ohne Befund geblieben – obwohl bereits ein erkranktes Spenderkind gemeldet worden war.
Erst ein weiterer Krankheitsfall drei Jahre später führte zu erneuten Analysen, die die Genmutation schließlich bestätigten. Daraufhin wurde das Sperma des unter dem Pseudonym "Kjeld" registrierten Spenders im Oktober 2023 aus dem Verkehr gezogen. Insgesamt belieferten die Kliniken in 14 Ländern zwischen 2006 und 2022 zahlreiche Paare – allein in Dänemark entstanden 99 Kinder. Laut Samenbank kommt die seltene Mutation nur in einem kleinen Teil der Spermien vor und betrifft nicht alle durch die Spenden gezeugten Kinder.
In Österreich soll das Sperma des Spenders nicht verwendet worden sein. In der ZiB-2 schätzt Michael Feichtinger, Fortpflanzungsmediziner an der Universität Wien, am Mittwochabend die aktuelle Lage ein.
Laut dem Experten sei es nicht ausgeschlossen, dass Paare aus Österreich im Ausland eine Behandlung mit den Spendersamen durchgeführt haben. "Ich rate jenen Menschen, die Klinik zu kontaktieren, um festzustellen, ob das Sperma des Spenders verwendet wurde", so Feichtinger weiter.
Selbst in der heutigen Zeit sei es schwierig, durch eine genetische Untersuchung des Spermas die Genmutation festzustellen. "Es ist extrem schwierig, solch einen Fall in der Zukunft zu verhindern", so Feichtinger. Man könne in der Medizin keine hundertprozentige Sicherheit gewährleisten.