Weil Aspirin entzündungshemmend wirkt – und chronische Entzündungen als möglicher Faktor bei der Entstehung von Tumoren gelten – entstand vor einigen Jahren die Hoffnung, dass eine regelmäßige Einnahme das Risiko für Darmkrebs senken könnte.
Eine aktuelle Analyse kommt jedoch zu einem ernüchternden Ergebnis: Für einen klaren präventiven Effekt von Aspirin gegen Darmkrebs gibt es bislang keine ausreichenden Belege. Gleichzeitig weisen die Forscher darauf hin, dass die Risiken einer dauerhaften Einnahme – etwa Blutungen – schwerer wiegen könnten als ein möglicher Nutzen.
Die Auswertung zeigt, dass Aspirin innerhalb von 5 bis 15 Jahren nach Beginn der regelmäßigen Einnahme keinen messbaren Einfluss auf die Zahl neuer Darmkrebsfälle hat. Erst nach mehr als 15 Jahren könnte sich eventuell ein schützender Effekt zeigen. Auch dieser Zusammenhang gilt jedoch als nicht eindeutig belegt und sollte vorsichtig interpretiert werden, da andere Faktoren ebenfalls eine Rolle spielen könnten.
Die Forscherinnen und Forscher haben Daten von etwa 125.000 Menschen mit durchschnittlichem Krebsrisiko ausgewertet. Die Daten stammen aus zehn klinischen Studien, hauptsächlich aus Europa und Nordamerika. In sieben Studien wurde eine tägliche niedrige Dosis von 75 bis 100 Milligramm Aspirin betrachtet, in drei Studien gab es höhere Dosierungen. Untersucht wurde, wie oft bei Menschen, die täglich Aspirin nahmen, Darmkrebs auftrat, verglichen mit jenen, die kein Aspirin oder ein Placebo bekamen.
Der Nutzen bleibt unklar – das Risiko ist aber unmittelbar. Die Auswertung zeigt deutlich: Wer regelmäßig Aspirin nimmt, hat ein höheres Risiko für Blutungen im Gehirn und ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Besonders ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen sind gefährdet. Die Forscher raten deshalb, Nutzen und Risiko genau abzuwägen und sich unbedingt ärztlich beraten zu lassen.
Um das Risiko für Darmkrebs zu senken, solltest du ab 50 Jahren alle zehn Jahre eine Darmspiegelung oder alle zwei Jahre eine Stuhluntersuchung machen lassen. Auch andere Faktoren wie Übergewicht, Rauchen, körperliche Inaktivität, Ernährung und Alkoholkonsum spielen eine Rolle. Wenn man sich in diesen Lebensbereichen gesund verhält, kann man sehr viel dafür tun, sein Darmkrebsrisiko zu verringern.