6 Jahre Corona

"Irrweg" – Top-Experte heute über CoV-Impfpflicht

Lockdowns, Masken und Impfpflicht: Sechs Jahre nach dem Ausbruch von Corona zieht Infektiologe Christoph Wenisch im ORF-Talk Bilanz.
Heute Life
27.02.2026, 21:14
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Sechs Jahre ist es inzwischen her, dass das Coronavirus erstmals weltweit Schlagzeilen machte – und wenig später auch in Österreich den Alltag grundlegend veränderte. Was Anfang 2020 noch wie eine ferne Nachricht aus China wirkte, entwickelte sich binnen Wochen zu einer Pandemie mit Lockdowns, Schulschließungen und Ausgangsbeschränkungen. In Österreich folgten Maskenpflicht, Teststraßen, Impfkampagnen, 3G- und 2G-Regeln sowie immer wieder neue Verordnungen, die das öffentliche Leben bestimmten. Kaum ein anderes Ereignis hat die Gesellschaft in der Zweiten Republik so nachhaltig geprägt wie COVID-19 – gesundheitlich, wirtschaftlich und sozial.

"Corona spielt keine Rolle mehr"

Einer, der die Pandemie hautnah miterlebt hat, ist Christoph Wenisch, Leiter der Infektionsabteilung der Klinik Favoriten. Während der Corona-Jahre wurde er zu einem der bekanntesten Ärzte des Landes. Im Talk "Hinter den Schlagzeilen" blickte er nun auf diese außergewöhnliche Zeit zurück.

Heute, sagt Wenisch, spiele Corona in seinem Berufsalltag keine Rolle mehr. Durch die hohe Immunität in der Bevölkerung sei SARS-CoV-2 mittlerweile "ein milder Infekt, den man halt aussitzt". Medizinisch sei das Thema für ihn abgeschlossen. "SARS-CoV-2 hat mittlerweile seinen Platz unter den anderen Coronaviren gefunden, die es schon immer gab, und zählt zu den saisonalen Erkrankungen", erklärt der Infektiologe.

Erleichterung bei der ersten Impfung

Am 27. Dezember 2020 bekam Wenisch als einer der ersten in Österreich die Corona-Impfung. Seine Erleichterung von damals beschreibt er heute so: "Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, weil ich wusste, dass wir am Ziel sind". Er befürwortet die Impfung bis heute, gibt aber zu, dass die Impfpflicht, die es kurze Zeit im Februar und März 2022 gab, ein Irrweg war. Wenisch war damals beratend im Nationalen Impfgremium (NIG) tätig. "Es gab diesbezüglich große Unsicherheit und hat sich schlussendlich damit verlaufen", sagt er rückblickend. Sein heutiges Fazit ist klar: "Alles mit Zwang ist Blödsinn." Stattdessen müsse man Angebote machen und die Entscheidung den Menschen überlassen.

Die Corona-Impfpflicht wurde im Jänner 2022 beschlossen, trat am 5. Februar 2022 in Kraft, wurde im März 2022 wegen der veränderten Pandemie-Lage (mildere Omikron-Variante) vorerst pausiert und schließlich im Juli 2022 vollständig abgeschafft.

Österreich war damit eines der wenigen Länder in Europa, das eine allgemeine Impfpflicht gesetzlich beschlossen hatte.

Viele Ungeimpfte hätten der Politik diese – wenn auch kurze – Phase der Impfpflicht bis heute nicht verziehen. Wenisch plädiert dennoch für einen versöhnlichen Blick zurück: "Wessen Lebenszweck es ist, sich über eine blöde Entscheidung von vor sechs Jahren zu ärgern, dem kann man nicht helfen."

Sind wir vorbereitet?

Bleibt die Frage, ob Österreich auf eine neue Pandemie vorbereitet wäre. Wenisch zeigt sich vorsichtig optimistisch: "Ja, ich glaube schon. Corona hatte nachhaltige Auswirkungen, aus denen wir gelernt haben."
Sechs Jahre nach dem ersten Schock ist COVID-19 im Alltag angekommen – nicht mehr als Ausnahmezustand, sondern als Teil der saisonalen Infektionen.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 27.02.2026, 21:18, 27.02.2026, 21:14
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