Ursache gefunden

Rätsel um tödliche Thrombose nach Corona-Impfung gelöst

Die Ursache für die vielfach tödlichen Thrombosen infolge gewisser Corona-Impfungen ist gefunden. Forscher wissen nun, wie es dazu kommen kann.
Newsdesk Heute
19.02.2026, 08:16
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Berichte über seltene, jedoch teils lebensgefährliche Thrombosen (Blutgerinnsel) nach gewissen Covid-Impfungen haben mitten in der Pandemie für Verunsicherung in der Bevölkerung gesorgt. Ein internationales Team aus Medizinern konnte nun die Ursache aufdecken und damit auch erklären, warum nur eine bestimmte Art Impfstoff diese Nebenwirkung hervorrief. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt, Mitte Februar, im renommierten "New England Journal of Medicine".

Die betroffenen Impfstoffe:

  • "Vaxzevria" (AZD1222) von AstraZeneca
  • "Janssen" / "Jcovden" (Ad26.COV2.S) von Johnson & Johnson

Beide Vakzine haben eines gemein: Es sind sogenannte Vektor-Impfstoffe. Diese seit Anfang der 1990er erprobte Technik nutzt eigentlich harmlose Adenoviren als Transportmittel, um das Spike-Protein des Coronavirus zu den menschlichen Zellen zu bringen. Unser Immunsystem lernt dadurch die Oberflächenstruktur von Sars-CoV-2 kennen und kann spezifische Antikörper bilden.

Im Falle einer Infektion mit dem echten Coronavirus fällt die Immunantwort des Körpers dadurch schneller und effektiver aus. Für die überwiegende Mehrheit der Millionen Geimpften war das sicher und schützte sie vor schweren Verläufen.

In sehr seltenen Fällen kam es jedoch nach wenigen Tagen oder Wochen zu heftigen, teils sogar tödlichen Komplikationen in Form einer sogenannten Vakzin-induzierten immunthrombotischen Thrombozytopenie (VITT). Gemeint ist damit ein Blutgerinnsel bei gleichzeitigem Mangel an Blutplättchen, ausgelöst durch die Immunantwort auf einen Impfstoff. Diese Thrombosen traten zudem oft an ungewöhnlichen Stellen auf.

Ab März 2021 häuften sich die Berichte über solche Fälle, viele Länder – auch Österreich –setzten die Vergabe als Vorsichtsmaßnahme vorübergehend aus. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA sprach nach intensiver Analyse eines Zusammenhangs mit den Impfstoffen erstmals ab April 2021 eine Warnung vor dieser möglichen Nebenwirkung aus. Das damalige Fazit: "Der Gesamtnutzen der Impfstoffe [...] überwiegt die Risiken von Nebenwirkungen."

Laut einem aktuellen "Science"-Bericht wurden bis zum späteren Stopp beider Vakzine in Europa rund 900 solcher Thrombose-Fälle gemeldet. 200 der Betroffenen starben, darunter auch eine 49-jährige Krankenschwester aus Zwettl in Niederösterreich.

Die Datenlage aus dem Rest der Welt dazu ist dürftig, obwohl alleine vom AstraZeneca-Vakzin mehr als 3 Milliarden Dosen verimpft wurden. Zwei Fälle aus Argentinien deuten zudem darauf hin, dass die Nebenwirkung auch beim ebenfalls vektorbasierten russischen Impfstoff "Sputnik V" auftritt.

Genetische Ursache

Dass VITT scheinbar nur von Vektor-Vakzinen ausgelöst wurde, nicht aber bei den mRNA-Impfstoffen "Comirnaty" (BNT162b2) von Pfizer/BioNTech und "Spikevax" (mRNA-1273) von Moderna, war von Beginn an auffällig.

Das Warum war lange unklar. Das internationale Forscherteam mit Mitgliedern aus Deutschland, Niederlande, Kanada und Australien hat nun die genaue Ursache herausgefunden. Nicht der Wirkstoff war das Problem, sondern das vermeintlich harmlose Transportmittel Adenovirus – und eine genetische Eigenheit der Betroffenen.

Bei den für die Studie untersuchten 21 VITT-Patienten konnte zusätzlich eine Hypermutation an einem einzigen Punkt ihrer leichten Antikörperketten festgestellt werden. Das führte am Ende dazu, dass ihr Immunsystem zwar auf das Adenovirus-Protein pVII ansprang, dann aber fälschlicherweise das ähnliche, aber körpereigene Protein PF4 attackierte. Dieser Thrombozytenfaktor spielt eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung.

"Wie ein Schlüssel"

Dass dazu zwei seltene Bedingungen (spezifische genetische Prädisposition und eine hochspezifische Hypermutation) zusammenkommen müssen, erklärt die vergleichsweise geringe Inzidenz der Impf-Thrombosen. Die Forscher sprechen von einer "Verkettung seltener Umstände".

"Es ist so, als wenn bei einem Schlüssel ein Zacken verändert wird und der Schlüssel danach in ein anderes Schloss passt", sagt Co-Autorin Linda Schönborn von der Unimedizin Greifswald. "Diese Kombination aus zufälliger Mutation und genetischer Besonderheit kommt ausgesprochen selten vor. Daher ist auch das Risiko für diese Komplikation sehr gering."

Ihre Ergebnisse, so ist sich Studienleiter Andreas Greinacher sicher, können die künftigen Vektor-Impfstoffe für alle Menschen sicherer machen: "Relevant ist das insbesondere in Regionen, in denen auch heute noch lebensbedrohliche Infektionskrankheiten wie Ebola verbreitet sind."

{title && {title} } red, {title && {title} } 19.02.2026, 08:16
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