Kaum ist eine Feier vorbei, folgt schon die nächste Einladung: Wer das Gefühl hat, dass sich derzeit die Geburtstage stapeln, liegt richtig. In Österreich kommen im Spätwinter rund um Februar und Anfang März sowie in der zweiten Septemberhälfte besonders viele Menschen zur Welt. Die Statistik zeigt klare Spitzen – und die haben einen überraschend einfachen Grund.
Der stärkste Tag im Spätwinter ist der 3. März. An diesem Datum feiern 20.620 Menschen in Österreich. Noch höher liegt der Wert im Herbst: Am 26. September feiern 21.121 Österreicher ihren Geburtstag. Damit ist dieses Datum das geburtenstärkste im gesamten Jahresverlauf.
Deutlich ruhiger ist es hingegen im November und Dezember. Am 25. Dezember haben lediglich 16.623 Personen Geburtstag, also rund ein Fünftel weniger als an den stärksten Tagen im Frühherbst oder Spätwinter. Noch seltener ist ein Geburtstag am 29. Februar, der nur in Schaltjahren vorkommt. Hier sind es 4.937 Menschen.
Die Ursache für diese Häufungen liegt rund neun Monate vor den geburtenstarken Zeiträumen: Monate mit mehreren Feiertagen haben einen deutlich messbaren Einfluss auf die Geburtenzahlen: Wenn viele Menschen gleichzeitig frei haben, weniger Alltagsstress verspüren und mehr gemeinsame Zeit verbringen, zeigt sich das statistisch drei Vierteljahre später sehr klar.
Dem Anstieg der Geburten im September geht die Weihnachtszeit mit ihren vielen freien Tagen voraus. Der Geburtenhöhepunkt im Spätwinter lässt sich auf die zahlreichen Feiertage im Mai und Juni zurückführen.
Eva Beaujouan, Chefin des Instituts für Demographie an der Uni Wien, erklärt, dass nicht ein bestimmtes Fest entscheidend sei, sondern die gemeinsame freie Zeit. "Auch wenn es kein Weihnachten gäbe, solange es in dieser Zeit freie Tage gibt, wird man neun Monate später einen Anstieg der Geburten beobachten", verrät Beaujouan dem "ORF".
Für die Häufung der Spätwinter-Geburten gibt es noch weitere Gründe: Der Frühling ist traditionell eine beliebte Zeit zum Heiraten. Mit dem Ja-Wort fällt bei manchen Paaren auch die bewusste Entscheidung für Nachwuchs. Neun Monate später spiegelt sich das in den Geburtenzahlen wider.
Allerdings verändert sich die Verteilung der Geburtstage langsam. Laut Beaujouan wird sie zunehmend gleichmäßiger: Verhütungsmittel sind heute leichter verfügbar, ungeplante Schwangerschaften seltener. Die Entscheidung für ein Kind wird bewusster getroffen, wodurch Feiertage und Jahreszeiten weniger Einfluss haben.
"Wir beobachten, dass auf der Nordhalbkugel immer weniger Saisonalität bei den Geburten vorkommt", so die Institutschefin.
Laut Beaujouan liegt Österreich, mit seiner Verteilung, international im Trend der Nordhalbkugel: In Ländern nahe am Äquator oder auf der Südhalbkugel spielt hingegen das Klima eine größere Rolle. Große Hitze senkt die Fruchtbarkeit, erklärt Beaujouan: "Neun Monate nach Hitzewellen kommen dann weniger Kinder zur Welt."
Während hierzulande vor allem Feiertage, Hochzeiten und gemeinsame freie Zeit für volle Geburtstagskalender sorgen, beeinflussen andernorts steigende Temperaturen zunehmend das Geburtenmuster.