Existenz ist bedroht

"2.000 € für einen Monat Strom" – Gastronom ist sauer

Helmut Preiser betreibt sein Landgasthaus nur noch an Wochenenden, doch auch das sei wegen gestiegener Netzkosten immer weniger rentabel.
Aram Ghadimi
10.02.2026, 05:00
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"Das ist blanker Horror", sagt Helmut Preiser aus Lichtenau im Waldviertel (Bezirk Krems-Land). Bereits 2017 hat der Gastronom in seinem Landgasthaus den täglichen Betrieb eingestellt und begonnen, an Wochenenden hochqualitative Wirtshausküche zu moderaten Preisen anzubieten. Doch auch dieses Konzept stößt 2026 an seine Grenzen.

Insolvenzen nicht verwunderlich

"Mich wundert es nicht, dass so viele Betriebe Insolvenz anmelden müssen", sagt der 66-Jährige. Seit der Pandemie habe sich das Ausgehverhalten komplett verändert. Personal finde er kaum noch. Aus der Not heraus habe er zusammen mit seiner Frau auf Event-Gastronomie gesetzt. Unter dem Titel 'Einfach gut essen' bietet das Landgasthaus Preiser jeden Sonntag drei Menükreationen an.

Dem Niederösterreicher fehlt es dabei nicht an Tatendrang: Alle Speisen sind selbst gemacht und beinhalten regionale Produkte, teils von Bauern aus der Umgebung: "Wir bieten höchste Qualität zu wirklich fairen Preisen. Doch das wird immer schwieriger für uns, unabhängig davon, wie wir kalkulieren. Nur am Sonntag laufen bei uns alle Geräte und der Strompreis ist nur ein Teil von mehreren monatlichen Fixkosten."

Neun Landesnetzbetreiber, 520 Mio. Ausbau

In Österreich regeln derzeit neun Landesnetzbetreiber die jeweiligen Netztarife, die dann von der Kontrollbehörde E-Control geprüft und genehmigt werden müssen. Diese gab an, dass sich mit Jahresbeginn die Stromnetzentgelte für einen durchschnittlichen österreichischen Haushalt im Schnitt um rund 1,3 Prozent erhöht hätten. Dabei gibt es aber deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Während die Netzkosten in Wien, Salzburg, Vorarlberg, der Steiermark und Kärnten gesunken sind, stiegen sie in Niederösterreich im Schnitt um 7 Prozent pro Haushalt. Einige Verbraucher zahlen aber wesentlich mehr.

Dazu heißt es von der EVN-Tochter Netz Niederösterreich GmbH: "Auf den ersten Blick mag es paradox erscheinen: Obwohl wir weniger verbrauchen, steigen die Netznutzungsentgelte." Grundsätzlich sei es schon so, dass die Netznutzungsentgelte in NÖ seit Jänner erhöht wurden, bestätigt Sprecher Michael Kovarik gegenüber "Heute", verweist aber auf einen regulierten Markt, in dem die E-Control die Ziele vorgäbe: "Der Grund liegt vor allem im Ausbau der erneuerbaren Energien und dem Anschluss dieser." Alleine 2025 seien in Niederösterreich 520 Millionen Euro in den Ausbau der Stromnetze geflossen.

Nur durch eine gemeinsame Kraftanstrengung werde der Weg in eine erneuerbare Energiezukunft möglich sein: "Als Netzbetreiber stehen wir vor der Aufgabe, die Netze zukunftsfit umzugestalten. Notwendige Investitionen müssen nun getroffen werden, um den Wirtschaftsstandort Niederösterreich zu sichern und damit die Lebensqualität der Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher zu erhalten."

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Strompreis sinkt, Netzgebühr steigt

Bei Preiser, der "Heute" seine Rechnungen vorgelegt hat, stößt das auf wenig Verständnis: "Die Regierung brüstet sich damit, dass auf Druck der Politik jetzt endlich der Strompreis gesenkt wird, doch die Netzkosten sind regelrecht explodiert. 2.000 Euro für einen Monat Strom (vier Zählstellen, Anm.), davon rund 1.000 Euro Netzkosten – das ist Verarschung der Bevölkerung."

"Wie man auf meinen Rechnungen sehen kann, ist die Netzgebühr mittlerweile fast so hoch wie der Strompreis selbst. Dabei habe ich einen günstigen Verbraucherpreis, nur etwa 11 Cent pro Kilowattstunde. Insgesamt zahle ich aber nahezu das Doppelte wie letztes Jahr", sagt Preiser: "Das ist für meinen kleinen Betrieb existenzgefährdend! Wo bleibt hier der Wirtschaftsminister?"

"Laune rauf, Stromkosten runter"

Damit hat der Gastronom den ÖVP-Politiker Wolfgang Hattmannsdorfer gemeint, der erst Anfang Februar verkündete, dass ein Wechsel des Stromanbieters die Energie-Kosten deutlich senken würde. In seinen Worten ausgedrückt: "Der Wettbewerb kommt stärker in Gang und das wirkt dämpfend auf die Preise." Ende letzten Jahres bewarb er zusammen mit seiner Partei-Kollegin, der Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, das Zustandekommen des neuen Strommarktgesetzes. Die Freude darüber verpackte man im Slogan "Laune rauf, Stromkosten runter".

Das Selbstlob reißt auch 2026 nicht ab: Vergangene Woche feierte Hattmannsdorfer in einem Facebook-Posting, dass nun die Inflation bei zwei Prozent läge: "Energie ist nicht mehr Preistreiber, sondern dämpft die Teuerung. Unsere Maßnahmen wirken – messbar und spürbar." Helmut Preiser beruhigt das nicht. Auch wenn die Preise künftig weniger stark steigen, stehen sie nach all den Monaten der Inflation heute auf anhaltend hohem Niveau.

Appell an Wirtschaftskammer

Zu den gestiegenen Netzkosten höre man gar nichts: "Wo bleibt hier der Aufschrei?", fragt der 66-Jährige in Richtung der Wirtschaftskammer Niederösterreich: "Man soll hier auch unsere Interessenvertretung in die Pflicht nehmen. Sind ihr denn Unternehmer egal? Bei den vielen Insolvenzen der letzten Jahre muss man das fast annehmen."

{title && {title} } agh, {title && {title} } 10.02.2026, 05:00
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